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Freitag, 31. Juli 2009

Dem unbekannten Denker

Heute begehen wir den 100. Geburtstag eines großen Denkers, von dem die meisten wahrscheinlich noch nie gehört haben: Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn (1909-1999). Wer er war? Ein großer Freiheitsdenker, Katholik und Monarchist, der vielleicht scharfsinnigste Kritiker der Französischen Revolution und des Sozialismus. Warum man ihn nicht kennt und sein Gedenktag heute in Spiegel, Welt und co. keine Erwähnung finden wird (- und ich würde mich gerne täuschen)? Eben drum. Wer den Ritter kennenlernen will, findet an abgelegener Stelle einige Texte. Und sogar eine nette Satire: Rezept für einen christlichen Roman.

Sonntag, 31. Mai 2009

Pfingsten

Vergleich der hl. Dreifaltigkeit mit der Sonne
"Gott Vater ist der Leib und Gott, der Sohn, das Licht;
Die Strahln der heilge Geist, der beiden ist verpflicht."
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann (1657)

Freitag, 22. Mai 2009

Kokain

Die Lebensmittelaufsicht in Hessen hat heute die Cola von "Red Bull" verboten. Denn sie enthält Spuren von Kokain. In den USA gilt sie als unbedenklich. Nun gut, derartige Meldungen überraschen in Deutschland nicht besonders, und mein Bedauern kann schon deshalb nicht groß sein, weil ich dieses Getränk nie probiert habe. Ich bin außerdem sicher, daß Arthur Conan Doyle, dessen Geburtstag sich heute zum 150. Mal jährt, seinen Sherlock Holmes nie Red Bull-Cola hätte trinken lassen - unvorstellbar für einen britischen Gentleman. Dafür ist Holmes jedoch als Konsument von Kokain und Morphium bekannt (damals nicht verboten), sowie als starker Raucher.  Schon damals, als ich als Kind begeistert im Fernsehen "Die Abenteuer des Sherlock Holmes" verfolgte, hatte ich das Gefühl, daß den Meisterdetektiv ein Hauch von Freiheit umgibt.

Samstag, 16. Mai 2009

Charles Perrault

"Der Königssohn half Dornröschen, deren Glieder noch immer etwas eingeschlafen waren, aus dem Bette. Sie war ganz angekleidet, wobei er bemerkte, daß ihre Toilette die größte Ähnlichkeit hatte mit der seiner seligen Großmutter. Aber er hütete sich, darüber ein Wörtchen zu verlieren. Er ging sogar so weit, ihre veraltete Tracht von anno dazumal auf feine Weise zu loben, was ihm in ihren Augen gewiß nicht schadete, obwohl sie tat, als läge ihr an solchen Kleinigkeiten wie Kleider und Putz nicht das allermindeste."

Das Märchen von Dornröschen kennt jeder. Doch hört sich das nicht ein bißchen anders an? Nicht so verspielt, augenzwinkernd und galant?  Wir kennen die Fassung der Brüder Grimm, und deren Kinder- und Hausmärchen sollten freilich, dem Geschmack der Romantik entsprechend, volkstümlich und einfach klingen - als handelte es sich um die unmittelbare Niederschrift eines lange nur mündlich überlieferten Textes (und damit es so klang, mußten die beiden Sammler lange an ihren Märchen feilen.) Das Zitat oben stammt jedoch aus der französischen Fassung von Dornröschen, "La Belle au Bois dormant", von Charles Perrault (1628-1703). Er hat die Gattung "Märchen" in Europa erst berühmt gemacht, und auch die Brüder Grimm haben Märchen von ihm übernommen. Perrault schrieb für das gebildete Publikum der Pariser Salons - und dazu paßt sein Tonfall sehr gut.  Vor 306 Jahren ist Charles Perrault gestorben.

Montag, 4. Mai 2009

Pygmalion

Der Bildhauer Pygmalion war von den Frauen enttäuscht. Er verliebte sich in eine Elfenbeinstatue, die er selbst erschaffen hatte, und flehte Aphrodite an, ihm eine Frau zu schenken, die seiner Statue ähnlich ist. Daraufhin erwacht die Statue zum Leben. Nachzulesen ist dies bei Ovid in den "Metamorphosen".

Der alte Gedanke, lebendige Menschen einem elfenbeinernen Ideal zu unterwerfen und sie auf diese Weise zu perfektionieren, gefiel besonders der Aufklärung. So schlüpfte auch der junge Heinrich von Kleist, den Kopf noch voll von aufklärerischen Vorstellungen, in die Rolle des Pygmalion. Seiner Braut Wilhelmine von Zenge gab er Denkübungen auf, um ihren Verstand und ihre Seelenkräfte zu formen. Die Verlobung platzte, und Wilhelmine schrieb an ihren späteren Ehemann Wilhelm Traugott Krug: "Er hatte einen erhabenen Begriff von Sittlichkeit, und mich wollte er zum Ideal umschaffen, welches mich oft bekümmerte." Der Mythos von Pygmalion begegnet hier also als Tragödie zweier Liebender.

Mit Zügen eines Satyrspiels stattet ihn dagegen George Bernard Shaw aus. Sein Schauspiel "Pygmalion" erzählt die Geschichte des Professors Henry Higgins, eines selbstgerechten Sprachwissenschaftlers, der der Blumenverkäuferin Eliza Doolittle beibringen will, mit dem Akzent einer Herzogin der Londoner Gesellschaft zu sprechen. Doch auch hier endet die Geschichte traurig: Eliza verläßt den kaltherzigen Professor, weil er nicht sie liebt, sondern sein Ideal.

Shaws Schauspiel wurde später umgearbeitet zu dem Musical "My fair lady", und hier gibt es endlich ein Happy End: Der eingefleischte Junggeselle Higgins verliebt sich in Eliza und sie träumen einer ungewissen Zukunft entgegen.

Als das Musical 1964 verfilmt wurde, spielte Audrey Hepburn die Rolle der Eliza.  Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Denn die zarte, elfenhafte Hepburn, Tochter eines englischen Bankiers und einer niederländischen Baronin, war als robustes Gossenmädchen eine geradezu groteske Fehlbesetzung. Dennoch ist Hepburn mit dieser Rolle vielen in Erinnerung geblieben. Heute wäre Audrey Hepburn 80 Jahre alt geworden.

Donnerstag, 23. April 2009

Welttag des Buches

Gedenktage dienen dazu, an Verlorenes, gerade Verlorengehendes oder Schützenswertes zu erinnern. Den Welttag des Buches, der heute begangen wird, gibt es seit 1995. Die "Stiftung Lesen" verschenkt  jedes Jahr an Kinder ein eigens zu diesem Anlaß herausgebrachtes Buch, diesmal mit Abenteuergeschichten.

Über ein geschenktes Buch hätte ich mich als Kind gewiß gefreut. Zum Lesen bewegen mußte man mich nicht. Es gab keine Computer, kein Internet und nur drei Fernsehprogramme, dafür eine Pfarrbibliothek, die in meiner Erinnerung gewaltige Ausmaße annimmt. Ich las Astrid Lindgren oder Enid Blyton oder Otfried Preußler.  Manches davon würde heute nicht mehr ohne Weiteres vor den Augen der Sittenwächter der political correctness bestehen: Enid Blyton - reaktionär, außerdem wird in den Internatsgeschichten ganz schön viel gemobbt. Und daß Michel aus Lönneberga seinen Hahn und sein Schweinchen mit vergorenen Kirschen betrunken macht... Nun ja. Aber das Gute daran war eben, daß ich bei diesen Büchern nie das Gefühl hatte, daß sie meiner Erziehung dienen, schon gar nicht meiner Erziehung zu einem guten Staatsbürger.  Im Gegensatz zu etlichen Kinder- und Jugendbüchern heute, die vor allem Problembewußtsein demonstrieren und ihren jungen Lesern eine Lektion erteilen wollen. Auch wenn das noch so gut gemeint sein mag: Dagegen hätte ich mich als Kind gesträubt. Auch Kinder wollen Bücher, die sie unterhalten und die ihnen die Welt deuten - aber keine Bücher, die ihre Leser verbessern wollen und sie damit auf subtile Weise entmündigen. Man kann Kindern ruhig ein bißchen mehr zutrauen.

Sonntag, 12. April 2009

Ostersonntag

Christus resurrexit!

Freitag, 10. April 2009

Karfreitag

Ihre Liebe ist gekreuzigt


Ich lebe nun nicht mehr; denn Christus ist mein Leben
Und meine Lieb ist gar mit ihm ans Kreuz gegeben.
Es wisse nun die ganze Welt,
Daß mir nichts mehr an ihr gefällt,
Weil meine Lieb gekreuzigt ist.

Es herrscht in mir kein Feur der lüsternen Begierden
Mein Herze brennt auch nicht nach Pracht und eitlen Zierden
Es kann kein Reichtum, Geld und Gut
Verblenden meinen Sinn und Mut
Weil meine Lieb gekreuzigt ist.

Ich habe keine Lust an den geschaffnen Dingen,
Mir kann, was zeitlich ist, nicht eine Freude bringen.
Des Fleisches Schönheit und ihr Ruhm
Scheint mir wie eine blasse Blum,
Weil meine Lieb gekreuzigt ist.

Es darf sich nun nicht mehr die Welt um mich bemühen,
Sie wird mein Herze nicht zu ihrer Liebe ziehen.
Ich lieb und küß auch in dem Tod
Den süßen Jesum, meinen Gott,
Dem meine Lieb gekreuzigt ist.

Angelus Silesius (1624-1677), "Heilige Seelenlust"