Mittwoch, 7. April 2010

Impression

Vor ein paar Tagen war ich wieder einmal an meiner alten Uni. Seltsam: Wenn ich das Campus-Gelände heute betrete, befällt mich jedesmal eine leise Depression. Nicht aus Sehnsucht nach der verflossenen Studentenzeit – es ist eher der Eindruck der Verwahrlosung, ja des Verfalls, der sich überall aufdrängt und den ich früher nicht so wahrnahm. Zwar wird an vielen Stellen gebaut, aber dennoch stellt sich keine Aufbruchstimmung ein, Gleichgültigkeit und Desinteresse überwiegen. An den Baustellen informieren keine Schilder darüber, was hier entstehen soll. Niemand scheint sich dafür zu interessieren. Die Gebäude sind ungepflegt und schmutzig, notdürftig ausgebessert und technisch nachgerüstet, um der wachsenden Zahl der Studenten standzuhalten. Zwischen den halb fertigen oder verfallenden Bauten immer noch die allgegenwärtige linke Propaganda, Plakate, Graffiti, Parolen, die sich anscheinend nirgendwo so zäh halten wie im Bildungswesen. Ob zwischen der um sich greifenden Verwahrlosung und der ungebrochenen Vorherrschaft linker Ideologien nicht ein Zusammenhang besteht? Auch das Konterfei von Karl Marx entdecke ich auf den Plakaten. Und plötzlich weiß ich, woran mich die Szenerie erinnert: an meinen ersten und einzigen Besuch in der real existierenden DDR 1986. Die gleiche graue Trostlosigkeit, die gleichen Parolen. Ein beeinruhigender Gedanke: die Universitäten als Vorgeschmack dessen, was die Bundesrepublik auf ihrem Weg in eine „DDR light“ erwartet.

Kommentare:

  1. Ich weiß ja nicht, wo du studiert hast. In der Hauptstadt (zumindest FU und HU) geht die Entwicklung seit Jahren stramm in die andere Richtung, zum Glück

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  2. Echt, ausgerechnet in Berlin? Sieh an. Als ich zuletzt an meiner alten Uni war, wußte ich nicht, ob ich mich wie in einer Geisterbahn oder wie auf der Müllhalde fühlen sollte: Geisterbahn wegen der ganzen linken Parolen an den Wänden oder auf Plakaten, Müllhalde, weil ich bis zu den Knien im Dreck stand. Da gerade Semesterferien waren, war seit vier Wochen im Philosophikum nicht geputzt worden - eine Sparmaßnahme der Uni.

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  3. Bin auch überrascht. Dass ausgerechnet Berlin uns in diesem Punkt voraus ist, passt so gar nicht in mein rheinisch-katholisches Weltbild. Aber das lässt ja hoffen, dass diese erfreuliche Entwicklung in den nächsten 10 (oder doch eher 20?) Jahren auch bei uns ankommt.

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