Montag, 13. Juni 2011
Mein Preis
... geht an den Blog http://nachdenker-edsches.blogspot.com/, der sich politisch, katholisch, scharfsinnig und sachkundig mit dem (grünen) Zeitgeist auseinadersetzt - und die beste Antwort auf die Frage gibt: Können Katholiken grün sein? Für mich derzeit ein Licht in dunkler Geistesnacht!
Wie hübsch!
Unser kleines Blog hat einen Preis bekommen! Danke, Ulrich!
"Erstelle einen Post, in dem du das Award-Bild postest und die Anleitung reinkopierst (= dieser Text). Außerdem solltest du zum Blog der Person verlinken, die dir den Award verliehen hat und sie per Kommentar in ihrem Blog informieren, daß du den Award annimmst und ihr den Link deines Award-Posts hinterlassen. Danach überlegst du dir 3- 5 Lieblingsblogs, die du ebenfalls in deinem Post verlinkst & die Besitzer jeweils per Kommentar-Funktion informierst, daß sie getaggt wurden und hier ebenfalls den Link des Posts angibst, in dem die Erklärung steht.
Liebe Blogger: Das Ziel dieser Aktion ist, daß wir unbekannte, gute Blogs ans Licht bringen. Deswegen würde ich euch bitten, keine Blogs zu posten, die ohnehin schon 3000 Leser haben, sondern talentierte Anfänger & Leute, die zwar schon eine Weile bloggen, aber immer noch nicht so bekannt sind."
... und den Preis an drei Lieblingsblogs weitergeben. Da wären:
- eines meiner liebsten katholischen Blogs: http://summa-summarum.blogspot.com/. Ein katholischer Blogger, der unaufgeregt schreibt, ohne Polemik und verletzende Polarisierungen, mit viel Wissen und Gespür für Zwischentöne.
- Dort ist es still geworden, aber auch das ist ein Zeichen: Denn tiefgründige, kluge Beiträge brauchen Zeit, und es gibt nun einmal wirklich keinen Grund, um des Bloggens willen zu bloggen. Also keinen Preis für im Zehn-Minutentakt ausgestoßene Beiträge mit geringer Halbwertzeit, sondern für schöne Texte, die auch nach einem Jahr nicht an Aktualität verloren haben: http://geist-und-feuer.blogspot.com/
Und den dritten Link (und vielleicht auch den vierten und fünften) darf sich Jacopone überlegen ...
Dann muß ich jetzt nur noch diesen Text in den Beitrag kopieren ...
"Erstelle einen Post, in dem du das Award-Bild postest und die Anleitung reinkopierst (= dieser Text). Außerdem solltest du zum Blog der Person verlinken, die dir den Award verliehen hat und sie per Kommentar in ihrem Blog informieren, daß du den Award annimmst und ihr den Link deines Award-Posts hinterlassen. Danach überlegst du dir 3- 5 Lieblingsblogs, die du ebenfalls in deinem Post verlinkst & die Besitzer jeweils per Kommentar-Funktion informierst, daß sie getaggt wurden und hier ebenfalls den Link des Posts angibst, in dem die Erklärung steht.
Liebe Blogger: Das Ziel dieser Aktion ist, daß wir unbekannte, gute Blogs ans Licht bringen. Deswegen würde ich euch bitten, keine Blogs zu posten, die ohnehin schon 3000 Leser haben, sondern talentierte Anfänger & Leute, die zwar schon eine Weile bloggen, aber immer noch nicht so bekannt sind."
... und den Preis an drei Lieblingsblogs weitergeben. Da wären:
- eines meiner liebsten katholischen Blogs: http://summa-summarum.blogspot.com/. Ein katholischer Blogger, der unaufgeregt schreibt, ohne Polemik und verletzende Polarisierungen, mit viel Wissen und Gespür für Zwischentöne.
- Dort ist es still geworden, aber auch das ist ein Zeichen: Denn tiefgründige, kluge Beiträge brauchen Zeit, und es gibt nun einmal wirklich keinen Grund, um des Bloggens willen zu bloggen. Also keinen Preis für im Zehn-Minutentakt ausgestoßene Beiträge mit geringer Halbwertzeit, sondern für schöne Texte, die auch nach einem Jahr nicht an Aktualität verloren haben: http://geist-und-feuer.blogspot.com/
Und den dritten Link (und vielleicht auch den vierten und fünften) darf sich Jacopone überlegen ...
Dienstag, 7. Juni 2011
Mutlosigkeit und Fehleinschätzungen
Das ist ja wieder symptomatisch. Wenn der Papst in Berlin die Heilige Messe feiert, sieht man dafür erstmal den Platz vor dem Charlottenburger Schloß vor - weil man befürchtet, daß zu wenig Leute kommen.
Das sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Der Papst kommt! Und die denken ernsthaft, die Leute bleiben dann lieber zuhause auf dem Sofa oder grillen im Garten oder liegen faul am Spreeufer. Woher kommt diese absurde, absurde Fehleinschätzung? Mittwoch für Mittwoch pilgern viele Tausend Menschen - und darunter sehr viele Deutsche - zum Petersplatz, um den Heiligen Vater zu sehen. Weiß man das hier nicht? Und was ist mit den vielen Polen, die sicher auch gerne die Heilige Messe mit dem Papst besuchen würden?
Doch möglicherweise ist es den Verantwortlichen in der deutschen Kirche wirklich entgangen, wie sehr der Heilige Vater in der ganzen Welt, und auch von vielen Deutschen verehrt wird: Denn darüber pflegt die deutsche Presse ihre Leser nicht zu informieren, und es ist wohl leider zu befürchten, daß Bischof Zollitsch und seine Mitstreiter ihre Informationen über die Gemütslage der deutschen Katholiken vor allem von dort beziehen - außer sie treten gerade mal wieder in einen Dialogprozeß mit irgendwelchen notorischen Quenglern, die hochdotiert auf Lehrstühlen, Beamtenposten oder in Gremien sitzen. Das Resultat: eine verzagte Haltung. Das Zurückschrecken vor deutlichen Worten. Statt Freude und Aufbruchsstimmung eine bleierne Mutlosigkeit, für die obiger Vorgang symbolisch ist.
Mann Mann Mann. Immer diese dumme selektive Wahrnehmung! Ihr solltet echt weniger Zeitung lesen und mehr auf die Menschen zugehen! Jetzt warte ich nur noch auf den Tag, an dem Shakira in der Mehrzweckhalle hinter dem Dorfacker einquartiert wird - aus Angst, daß es auffallen könnte, wenn keiner kommt.
Das sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Der Papst kommt! Und die denken ernsthaft, die Leute bleiben dann lieber zuhause auf dem Sofa oder grillen im Garten oder liegen faul am Spreeufer. Woher kommt diese absurde, absurde Fehleinschätzung? Mittwoch für Mittwoch pilgern viele Tausend Menschen - und darunter sehr viele Deutsche - zum Petersplatz, um den Heiligen Vater zu sehen. Weiß man das hier nicht? Und was ist mit den vielen Polen, die sicher auch gerne die Heilige Messe mit dem Papst besuchen würden?
Doch möglicherweise ist es den Verantwortlichen in der deutschen Kirche wirklich entgangen, wie sehr der Heilige Vater in der ganzen Welt, und auch von vielen Deutschen verehrt wird: Denn darüber pflegt die deutsche Presse ihre Leser nicht zu informieren, und es ist wohl leider zu befürchten, daß Bischof Zollitsch und seine Mitstreiter ihre Informationen über die Gemütslage der deutschen Katholiken vor allem von dort beziehen - außer sie treten gerade mal wieder in einen Dialogprozeß mit irgendwelchen notorischen Quenglern, die hochdotiert auf Lehrstühlen, Beamtenposten oder in Gremien sitzen. Das Resultat: eine verzagte Haltung. Das Zurückschrecken vor deutlichen Worten. Statt Freude und Aufbruchsstimmung eine bleierne Mutlosigkeit, für die obiger Vorgang symbolisch ist.
Mann Mann Mann. Immer diese dumme selektive Wahrnehmung! Ihr solltet echt weniger Zeitung lesen und mehr auf die Menschen zugehen! Jetzt warte ich nur noch auf den Tag, an dem Shakira in der Mehrzweckhalle hinter dem Dorfacker einquartiert wird - aus Angst, daß es auffallen könnte, wenn keiner kommt.
Montag, 30. Mai 2011
Wo ist unser Israel?
Der kleine Sharuz ist ein ganz normales Kind. Zwar ist er dunkelhäutig, hat schwarze Haare und braune Augen, denn seine Familie stammt aus dem Iran. Aber beim Spielen mit den Nachbarskindern in Berlin-Spandau interessiert das niemand. Erst als die Familie in den Stadtteil Wedding umzieht, ändert sich das. Zuerst freut sich Sharuz über viele neue Spielkameraden, die genauso aussehen wie er: dunkelhäutig und scharzhaarig. Doch über die Standardfrage der Gleichaltrigen beim Fußball- oder Basketball wundert er sich: „Bist Du auch ein Muslim?“ Sharuz weiß nichts über Religionen, er ist säkular erzogen und glaubt nicht an Gott. Was die Frage zu bedeuten hat, erfährt er erst, als er eines Tages mit einer Halskette in der Schule erscheint, an der ein Davidstern hängt: ein Mitbringsel aus den Sommerferien in Israel. Sharuz ist Jude – und wird für die überwiegende Mehrzal seiner Mitschüler zum Feind, zum Ausgestoßenen, mit dem sie nichts mehr zu tun haben wollen, ja, den sie hassen und verabscheuen. Von einem Tag auf den andern.
Arye Sharuz Shalicar ist heute Pressesprecher der israelischen Armee. Er hat Deutschland den Rücken gekehrt. doch seine Kindheitserinnerungen hat er in deutscher Sprache veröffentlicht, unter dem provokanten Titel „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ (dtv 24797). Es zeigt dem Leser eine Welt, von der die meisten Deutschen, (noch dazu diejenigen, die Bücher lesen und sich für informiert halten), keine Ahnung haben. Es zeigt ein Deutschland, in dem Deutsche nur noch als entrückte Vertreter der Staatsmacht oder in Straßennamen vorkommen.
Schön ist nicht, diese „Bunte Republik Deutschland“. Der junge Sharuz erlebt sie als einen Dschungel von Gewalt und Anfeindungen, ein tägliches Spießrutenlaufen. Er wird gedemütigt und gejagt, bedroht und geschlagen: „Jude, du hast mit gesenktem Kopf durch die Schule zu laufen!“ - unverhüllter Antisemitismus mitten in Deutschland, aber nicht von deutschen Neonazis ausgehend, sondern von türkischen, kurdischen und arabischen Jugendlichen, die den Nahostkonflikt in unsere Städte importieren. Schließlich findet Sharuz so etwas wie Zuflucht in einer kriminellen Jugendgang. Er verschafft sich Respekt als Graffiti-Sprayer, ist bei Schlägereien und Messerstechereien vorn dabei. Doch bevor er völlig abstürzt, findet er Halt genau dort,wo die Ursache seiner Verfolgungen liegt: in seinem Jüdischsein. Er wird Zionist und wandert nach Israel aus.
Ein Vorzug des Buches liegt darin, daß Shalicar seine Erlebnise (fast) ohne Bitterkeit schildert. Er berichtet auch von Freunden, die er unter den Muslimen findet, wie etwa den frommen Türken Sahin, der auch in bedrohlichen Situaltionen zu ihm hält. Eine präzisere und zugleich lebendigere Schilderung der muslimischen „Kieze“ düfte in Deutschland derzeit nicht zu finden sein. Doch das Buch ist mehr als ein Beitrag zur „Integrationsdebatte“. Es ist zugleich eine Refexion über Identität und – wenn auch eher unausgesprochen – über den Glauben. Shalicar wird nicht nur Zionist, er beginnt auch, die jüdischen Gebote zu beachten, in die Synagoge zu gehen, den Sabbat zu feiern. Deutsche Identität begegnete ihm vorwiegend an der Schule, vor allem in Gestalt der „Vergangenheitsbewältigung“. Von einem Besuch seiner Grundschulklasse in einer Ausstellung über Anne Frank verdrückt er sich vorzeitig – er will lieber mit seinen Kumpels Fußball spielen. Die Pädagogik der Vergangenheitsbewältigung bleibt gegenwartsblind: die Drangsalierung eines lebendigen Juden scheint sich nicht wahrzunehmen. Seine Identität findet der junge Shalicar denn auch nicht in Deutschland, sondern in Israel, für ihn der Inbegriff eines stolzen, selbstbewußten Judentums, das sich gegen seine Feinde zur Wehr setzt.
Als deutscher Leser wird man spätestens hier sehr nachdenklich: Der Wedding ist mittlerweile nicht nur in Berlin, sondern auch in Köln oder Frankfurt, Duisburg oder Hamburg. Ich denke an die deutschen Kinder, die in den Schulen unserer Problemviertel vielleicht ähnliches erleben wie Sharuz Shalicar im Berlin der 90er Jahre. Ich denke auch an die Christen im Orient, die so tapfer in ihre belagerten Kirchen gehen, während die Kirchen hierzulande leer bleiben. Und ich frage mich: Woraus können wir in Deutschland eigentlich noch Halt, Orientierung und Stärke ziehen? Wo ist unser „Israel“?
Arye Sharuz Shalicar ist heute Pressesprecher der israelischen Armee. Er hat Deutschland den Rücken gekehrt. doch seine Kindheitserinnerungen hat er in deutscher Sprache veröffentlicht, unter dem provokanten Titel „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ (dtv 24797). Es zeigt dem Leser eine Welt, von der die meisten Deutschen, (noch dazu diejenigen, die Bücher lesen und sich für informiert halten), keine Ahnung haben. Es zeigt ein Deutschland, in dem Deutsche nur noch als entrückte Vertreter der Staatsmacht oder in Straßennamen vorkommen.
Schön ist nicht, diese „Bunte Republik Deutschland“. Der junge Sharuz erlebt sie als einen Dschungel von Gewalt und Anfeindungen, ein tägliches Spießrutenlaufen. Er wird gedemütigt und gejagt, bedroht und geschlagen: „Jude, du hast mit gesenktem Kopf durch die Schule zu laufen!“ - unverhüllter Antisemitismus mitten in Deutschland, aber nicht von deutschen Neonazis ausgehend, sondern von türkischen, kurdischen und arabischen Jugendlichen, die den Nahostkonflikt in unsere Städte importieren. Schließlich findet Sharuz so etwas wie Zuflucht in einer kriminellen Jugendgang. Er verschafft sich Respekt als Graffiti-Sprayer, ist bei Schlägereien und Messerstechereien vorn dabei. Doch bevor er völlig abstürzt, findet er Halt genau dort,wo die Ursache seiner Verfolgungen liegt: in seinem Jüdischsein. Er wird Zionist und wandert nach Israel aus.
Ein Vorzug des Buches liegt darin, daß Shalicar seine Erlebnise (fast) ohne Bitterkeit schildert. Er berichtet auch von Freunden, die er unter den Muslimen findet, wie etwa den frommen Türken Sahin, der auch in bedrohlichen Situaltionen zu ihm hält. Eine präzisere und zugleich lebendigere Schilderung der muslimischen „Kieze“ düfte in Deutschland derzeit nicht zu finden sein. Doch das Buch ist mehr als ein Beitrag zur „Integrationsdebatte“. Es ist zugleich eine Refexion über Identität und – wenn auch eher unausgesprochen – über den Glauben. Shalicar wird nicht nur Zionist, er beginnt auch, die jüdischen Gebote zu beachten, in die Synagoge zu gehen, den Sabbat zu feiern. Deutsche Identität begegnete ihm vorwiegend an der Schule, vor allem in Gestalt der „Vergangenheitsbewältigung“. Von einem Besuch seiner Grundschulklasse in einer Ausstellung über Anne Frank verdrückt er sich vorzeitig – er will lieber mit seinen Kumpels Fußball spielen. Die Pädagogik der Vergangenheitsbewältigung bleibt gegenwartsblind: die Drangsalierung eines lebendigen Juden scheint sich nicht wahrzunehmen. Seine Identität findet der junge Shalicar denn auch nicht in Deutschland, sondern in Israel, für ihn der Inbegriff eines stolzen, selbstbewußten Judentums, das sich gegen seine Feinde zur Wehr setzt.
Als deutscher Leser wird man spätestens hier sehr nachdenklich: Der Wedding ist mittlerweile nicht nur in Berlin, sondern auch in Köln oder Frankfurt, Duisburg oder Hamburg. Ich denke an die deutschen Kinder, die in den Schulen unserer Problemviertel vielleicht ähnliches erleben wie Sharuz Shalicar im Berlin der 90er Jahre. Ich denke auch an die Christen im Orient, die so tapfer in ihre belagerten Kirchen gehen, während die Kirchen hierzulande leer bleiben. Und ich frage mich: Woraus können wir in Deutschland eigentlich noch Halt, Orientierung und Stärke ziehen? Wo ist unser „Israel“?
Kreuzzeichen in Holland: Da schämt sich sogar der Hund
... meint einer der Prekariatsschreiber von "Welt online", der den Auftrag hatte, einen Propagandaartikel (bezeichnend schon der Titel: "Holländische Ultra-Christen wollen den Gottesstaat") gegen die in den Niederlanden stärker werdende Calvinisten-Partei zusammenzuschustern. Über einen ihrer Vertreter heißt es: "Hoefnagel bekreuzigt sich, seine Dogge schaut wie peinlich berührt auf das Wasser."
Nun weiß ich nicht, ob sich Calvinisten bekreuzigen. Das herauszufinden ist auch nicht mein Job. Aber der Artikel klingt nicht so, als hätte der Autor viel Recherche betrieben (außer mal kurz googlen). Würde ich aber auch nicht, wenn ich für meine Artikel nur 5,80 € bekäme. Mehr werden die dafür doch hoffentlich nicht zahlen! Und ich frage mich immer wieder, wieso sich die "Welt" einen derart erbärmlichen Online-Auftritt leistet.
Ich weiß auch nicht, wie die holländischen Calvinisten sind. Vermutlich sind es tüchtige, fleißige, wohlhabende, gottesfürchtige Geschäftsleute - vereinen also sämtliche Eigenschaften, die kleinen, politisch weit links stehenden, in zugigen WG-Zimmern hausenden Zeitungsschreibern verhaßt sind.
Ich weiß aber, was dahinter steckt. Die übliche Hetze gegen religiöse Menschen, die im medialen Diskurs der BRD immer die Bösen sind.
Und natürlich das Entsetzen darüber, daß ausgerechnet das freigeistige Kifferparadies Holland gerade eine radikale Wende durchlebt. Die Regierung ist konservativ, und mit dem Kiffen ist es auch bald vorbei.
Vor kurzem war ich für ein paar Tage dort. Eine Freundin hatte mich zum Geburtstag eingeladen, und ich war doch ein wenig erstaunt, daß damit eine gemütliche Familienfeier mit Sahnetorte gemeint war. Erst kam ihre Familie (Eltern, Schwestern, Nichte, Schwager, Tante und Onkel), danach die Familie ihres Freundes (Eltern, Tante und Onkel, Bruder und Freundin, Opa Hank und seine Frau). Dazwischen ein paar Freundinnen. Außer mir sprachen alle Niederländisch. Klar, für mich war das schwierig. Ich betrachtete es als eine Art Übung - Manieren verfeinern und so - und habe mir überlegt, was Königin Beatrix in dieser Situation wohl tun würde. Also ordentlich sitzen, entspannt gucken, versuchen, den Gesprächen irgendwie zu folgen, und ab und zu ein bißchen auf Englisch mitreden. Und das zwölf Stunden lang! War anstrengend, und danach hätte man mich durchaus ins diplomatische Corps aufnehmen können.
Jedenfalls: eine solche Geburtstagsfeier, mit der ganzen Familie, habe ich hier in Deutschland bei Leuten in meinem Alter noch nie erlebt. Darüber wiederum haben meine holländischen Freunde gestaunt. Die übrigens viel bürgerlicher sind, als es hier für junge Akademiker üblich ist. Und vom Kiffen wirklich gar nichts hielten.
Und dann auf der Feier und in der Stadt: die vielen schönen, gut gekleideten und sehr weiblich auftretenden Frauen. Mit Gender-Mainstreaming war das wohl nix. Ich bin ja nun wirklich kein Nerd, der nur zwei Hosen und einen gestreiften Pulli besitzt. Stattdessen habe ich einen Schrank voll mit kurzen schwarzen Kleidern und eine Kiste mit Vogue-Heften. Aber neben den holländischen Frauen ... fühlte ich mich fast ein bißchen blaß.
Schön fand ich es auch, daß meine Freundin ein traditionelles holländisches Essen für mich gekocht hat - Rollbraten mit Kartoffeln, Bohnen und Apfelmus - den Braten geschnitten hat ihr Freund.
Und dann ein Tag in Amsterdam - das Gegenteil dieser sanften häuslichen Atmosphäre. Den Touristenströmen gefolgt, ins Rotlichtviertel geraten. Ein Schaufenster neben dem anderen, in jedem eine tanzende Frau in Reizwäsche, die meisten mit slawischen Gesichtern. Alkohol, Rauchschwaden, und vor allem die leeren Gesichter der Frauen hinter Glas, die so sehr gedemütigt wurden. Da dachte ich, genau so sieht eine entchristlichte Stadt in Reinform aus. Und daß die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen nach dem Verlust des Glaubens um so stärker offenbar wird.
Nun weiß ich nicht, ob sich Calvinisten bekreuzigen. Das herauszufinden ist auch nicht mein Job. Aber der Artikel klingt nicht so, als hätte der Autor viel Recherche betrieben (außer mal kurz googlen). Würde ich aber auch nicht, wenn ich für meine Artikel nur 5,80 € bekäme. Mehr werden die dafür doch hoffentlich nicht zahlen! Und ich frage mich immer wieder, wieso sich die "Welt" einen derart erbärmlichen Online-Auftritt leistet.
Ich weiß auch nicht, wie die holländischen Calvinisten sind. Vermutlich sind es tüchtige, fleißige, wohlhabende, gottesfürchtige Geschäftsleute - vereinen also sämtliche Eigenschaften, die kleinen, politisch weit links stehenden, in zugigen WG-Zimmern hausenden Zeitungsschreibern verhaßt sind.
Ich weiß aber, was dahinter steckt. Die übliche Hetze gegen religiöse Menschen, die im medialen Diskurs der BRD immer die Bösen sind.
Und natürlich das Entsetzen darüber, daß ausgerechnet das freigeistige Kifferparadies Holland gerade eine radikale Wende durchlebt. Die Regierung ist konservativ, und mit dem Kiffen ist es auch bald vorbei.
Vor kurzem war ich für ein paar Tage dort. Eine Freundin hatte mich zum Geburtstag eingeladen, und ich war doch ein wenig erstaunt, daß damit eine gemütliche Familienfeier mit Sahnetorte gemeint war. Erst kam ihre Familie (Eltern, Schwestern, Nichte, Schwager, Tante und Onkel), danach die Familie ihres Freundes (Eltern, Tante und Onkel, Bruder und Freundin, Opa Hank und seine Frau). Dazwischen ein paar Freundinnen. Außer mir sprachen alle Niederländisch. Klar, für mich war das schwierig. Ich betrachtete es als eine Art Übung - Manieren verfeinern und so - und habe mir überlegt, was Königin Beatrix in dieser Situation wohl tun würde. Also ordentlich sitzen, entspannt gucken, versuchen, den Gesprächen irgendwie zu folgen, und ab und zu ein bißchen auf Englisch mitreden. Und das zwölf Stunden lang! War anstrengend, und danach hätte man mich durchaus ins diplomatische Corps aufnehmen können.
Jedenfalls: eine solche Geburtstagsfeier, mit der ganzen Familie, habe ich hier in Deutschland bei Leuten in meinem Alter noch nie erlebt. Darüber wiederum haben meine holländischen Freunde gestaunt. Die übrigens viel bürgerlicher sind, als es hier für junge Akademiker üblich ist. Und vom Kiffen wirklich gar nichts hielten.
Und dann auf der Feier und in der Stadt: die vielen schönen, gut gekleideten und sehr weiblich auftretenden Frauen. Mit Gender-Mainstreaming war das wohl nix. Ich bin ja nun wirklich kein Nerd, der nur zwei Hosen und einen gestreiften Pulli besitzt. Stattdessen habe ich einen Schrank voll mit kurzen schwarzen Kleidern und eine Kiste mit Vogue-Heften. Aber neben den holländischen Frauen ... fühlte ich mich fast ein bißchen blaß.
Schön fand ich es auch, daß meine Freundin ein traditionelles holländisches Essen für mich gekocht hat - Rollbraten mit Kartoffeln, Bohnen und Apfelmus - den Braten geschnitten hat ihr Freund.
Und dann ein Tag in Amsterdam - das Gegenteil dieser sanften häuslichen Atmosphäre. Den Touristenströmen gefolgt, ins Rotlichtviertel geraten. Ein Schaufenster neben dem anderen, in jedem eine tanzende Frau in Reizwäsche, die meisten mit slawischen Gesichtern. Alkohol, Rauchschwaden, und vor allem die leeren Gesichter der Frauen hinter Glas, die so sehr gedemütigt wurden. Da dachte ich, genau so sieht eine entchristlichte Stadt in Reinform aus. Und daß die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen nach dem Verlust des Glaubens um so stärker offenbar wird.
Samstag, 28. Mai 2011
Die Alten
Der Respekt vor den Alten ist in vielen Kulturen tief verankert und war es auch lange in der westlichen Welt. Geändert hat sich das erst mit dem Kulturbruch der 1960er-Jahre. Die Entmachtung der Autoritäten verband sich mit einem sich immer weiter ausbreitenden Jugendwahn. Doch warum soll man die Alten respektieren? Als Grund wurde immer ihre Weisheit angeführt, doch ich glaube, daß dahinter ein Schutzmechanismus verborgen ist: Man zollt den Alten Respekt, um ihre Schwäche weniger offensichtlich zu machen. Sonst sind sie zu leicht verletzbar.
Nicht nur, weil ihr Körper nicht mehr so stark ist. Bei vielen richtet sich das Denken an der Vergangenheit aus. An frühere Geschehnisse erinnern sie sich genau, während das Kurzzeitgedächtnis versagt. Viele erleben, daß ihre Werte nichts mehr gelten, und ihre Ziele, die sie ihr Leben lang verfolgt haben, für die nachfolgenden Generationen keine Bedeutung mehr haben. Das ist schwer zu akzeptieren, führt zu Traurigkeit und Verbitterung.
Doch sie sind auch stark: Sie können Erfahrungen weitergeben und sind eine Quelle für die Geschichte. Ich bereue es, daß ich meinem Opa damals nicht richtig zugehört habe, als er von seiner Kriegsgefangenschaft in Rußland erzählt hat. Heute würde ich ihn gerne soviel fragen, doch er ist schon lange tot.
Und dann gibt es noch die klugen, mild gewordenen Alten ...
Jedenfalls: Die Alten zu respektieren ist Ausdruck von Kultiviertheit und einer liebenswürdigen Haltung. Dieser Respekt gilt dem gelebten Leben, den Erfahrungen und Erinnerungen, die damit verbunden sind, und dem hohen Wert, den die verbleibende Zeit noch hat.
Doch was ist mit den Alten von heute? Die Alten, das werden bald die 68er sein, die mit großem Erfolg frühere zivilisatorische Errungenschaften über Bord geworfen haben und deren Ansehen heute rasant sinkt - vor allem bei jungen, hart arbeitenden Menschen. Wie wird das sein? Heerscharen verbohrter alter Kindsköpfe, immer noch von der Revolution träumend, der Enteignung Springers, der Abschaffung der Religion? Soll man ihnen nun die Rechnung präsentieren, ihnen den Respekt verweigern: "Schließlich habt ihr es nicht anders gewollt!"
Nein. Denn eine zivilisierte Gesellschaft macht Achtung nicht von der Lebensleistung eines Menschen abhängig. Sowas wäre roh und dumm.
Der Ausgangspunkt dieser ganzen Überlegungen war eigentlich ein ungutes Gefühl, das ich hatte. Jemand hatte mir einen youtube-Clip gezeigt, einen furchtbaren Auftritt von Uta Ranke-Heinemann bei Markus Lanz. Sie flippt aus, und es gibt sicher viele, die das komisch finden. Ich finde es schrecklich, daß eine alte Dame dermaßen vorgeführt wird (und ziemlich unchristlich, aber das dürfte die wenigsten interessieren). Eine alte Dame, die sich meiner Meinung nach schon lange hoffnungslos verrannt hat. Aber dennoch will ich nicht, daß alte Menschen auf eine solche Weise präsentiert werden. Daß sie Opfer eines immer aggressiver und brutaler werdenden medialen Diskurses werden, in dem sie sich nicht behaupten können.
Und das ist halt eines der größten Probleme unserer Mediengesellschaft: der verletzende, boshafte und polemische Ton, der Andersdenkenden gegenüber üblich geworden ist, das Ersetzen von Gedanken und Argumenten durch Gebrüll, und die Haltung, die dahintersteckt und von Barbarei nicht weit entfernt ist.
Das zeigt vor allem, daß wir wieder mehr Kultur brauchen, mehr Haltung und Differenzierungsvermögen. Einüben kann das zur Zeit nur jeder Einzelne für sich - der Respekt vor den Alten ist ein guter Anfang.
***
Eigentlich verstehe ich es nicht, daß sich manche auch heute noch so sehr an Leuten wie Hans Küng oder Frau Ranke-Heinemann abarbeiten. Sie werden sicher noch eine Weile von den Medien herumgereicht, aber außerhalb der medialen Parallelwelt finden sie doch gar kein Gehör mehr. Welcher Zwanzigjährige kennt diese Namen denn noch? Ich fühle mich nicht von ihnen bedroht und habe nicht das Bedürfnis, mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Unsere Gesellschaft hat größere Probleme. Z.B. den Terrorismus der linksfaschistischen Barbaren von der sogenannten "Antifa". Die Männer, bei denen die Frankfurter Polizei gestern Sprengsätze gefunden hatte (die eventuell für einen Anschlag auf die im Juni stattfindende Innenministerkonferenz gedacht waren), waren 18 und 19 Jahre alt.
Nicht nur, weil ihr Körper nicht mehr so stark ist. Bei vielen richtet sich das Denken an der Vergangenheit aus. An frühere Geschehnisse erinnern sie sich genau, während das Kurzzeitgedächtnis versagt. Viele erleben, daß ihre Werte nichts mehr gelten, und ihre Ziele, die sie ihr Leben lang verfolgt haben, für die nachfolgenden Generationen keine Bedeutung mehr haben. Das ist schwer zu akzeptieren, führt zu Traurigkeit und Verbitterung.
Doch sie sind auch stark: Sie können Erfahrungen weitergeben und sind eine Quelle für die Geschichte. Ich bereue es, daß ich meinem Opa damals nicht richtig zugehört habe, als er von seiner Kriegsgefangenschaft in Rußland erzählt hat. Heute würde ich ihn gerne soviel fragen, doch er ist schon lange tot.
Und dann gibt es noch die klugen, mild gewordenen Alten ...
Jedenfalls: Die Alten zu respektieren ist Ausdruck von Kultiviertheit und einer liebenswürdigen Haltung. Dieser Respekt gilt dem gelebten Leben, den Erfahrungen und Erinnerungen, die damit verbunden sind, und dem hohen Wert, den die verbleibende Zeit noch hat.
Doch was ist mit den Alten von heute? Die Alten, das werden bald die 68er sein, die mit großem Erfolg frühere zivilisatorische Errungenschaften über Bord geworfen haben und deren Ansehen heute rasant sinkt - vor allem bei jungen, hart arbeitenden Menschen. Wie wird das sein? Heerscharen verbohrter alter Kindsköpfe, immer noch von der Revolution träumend, der Enteignung Springers, der Abschaffung der Religion? Soll man ihnen nun die Rechnung präsentieren, ihnen den Respekt verweigern: "Schließlich habt ihr es nicht anders gewollt!"
Nein. Denn eine zivilisierte Gesellschaft macht Achtung nicht von der Lebensleistung eines Menschen abhängig. Sowas wäre roh und dumm.
Der Ausgangspunkt dieser ganzen Überlegungen war eigentlich ein ungutes Gefühl, das ich hatte. Jemand hatte mir einen youtube-Clip gezeigt, einen furchtbaren Auftritt von Uta Ranke-Heinemann bei Markus Lanz. Sie flippt aus, und es gibt sicher viele, die das komisch finden. Ich finde es schrecklich, daß eine alte Dame dermaßen vorgeführt wird (und ziemlich unchristlich, aber das dürfte die wenigsten interessieren). Eine alte Dame, die sich meiner Meinung nach schon lange hoffnungslos verrannt hat. Aber dennoch will ich nicht, daß alte Menschen auf eine solche Weise präsentiert werden. Daß sie Opfer eines immer aggressiver und brutaler werdenden medialen Diskurses werden, in dem sie sich nicht behaupten können.
Und das ist halt eines der größten Probleme unserer Mediengesellschaft: der verletzende, boshafte und polemische Ton, der Andersdenkenden gegenüber üblich geworden ist, das Ersetzen von Gedanken und Argumenten durch Gebrüll, und die Haltung, die dahintersteckt und von Barbarei nicht weit entfernt ist.
Das zeigt vor allem, daß wir wieder mehr Kultur brauchen, mehr Haltung und Differenzierungsvermögen. Einüben kann das zur Zeit nur jeder Einzelne für sich - der Respekt vor den Alten ist ein guter Anfang.
***
Eigentlich verstehe ich es nicht, daß sich manche auch heute noch so sehr an Leuten wie Hans Küng oder Frau Ranke-Heinemann abarbeiten. Sie werden sicher noch eine Weile von den Medien herumgereicht, aber außerhalb der medialen Parallelwelt finden sie doch gar kein Gehör mehr. Welcher Zwanzigjährige kennt diese Namen denn noch? Ich fühle mich nicht von ihnen bedroht und habe nicht das Bedürfnis, mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Unsere Gesellschaft hat größere Probleme. Z.B. den Terrorismus der linksfaschistischen Barbaren von der sogenannten "Antifa". Die Männer, bei denen die Frankfurter Polizei gestern Sprengsätze gefunden hatte (die eventuell für einen Anschlag auf die im Juni stattfindende Innenministerkonferenz gedacht waren), waren 18 und 19 Jahre alt.
Donnerstag, 26. Mai 2011
Der Schrei des Konvertiten zerstört das Minarett
So hat Annemarie Schimmel mal die Frage beantwortet, warum sie nicht zum Islam konvertiere. Ich weiß nicht, ob es sich bei diesem Spruch um eine alte Sufi-Weisheit handelt. Jedenfalls belegt er deutlich, daß auch andere Religionen mit ihren frisch bekehrten Neuanhängern manche Probleme haben. Schließlich ist der Übereifer des Konvertiten sprichwörtlich geworden.
Konvertiten ... Merkwürdigerweise denke ich bei diesem Wort zuerst an Pierre Vogel. Allerdings zeigt der Ex-Boxer und Salafistenprediger tatsächlich in Reinform einige Auffälligkeiten, die man an Konvertiten öfter beobachten kann: den Wunsch nach der absolut reinen Lehre, das Leugnen von Ambivalenzen, die Gewißheit, selbst zu hundert Prozent den rechten Glauben zu vertreten. Den Wunsch, dies öffentlich zu zeigen. Und nicht zuletzt: das Bedürfnis, sich durch äußere Zeichen wie Kleidung abzugrenzen. (Da hat der Islam freilich ein weiter gefächertes Angebot als das Christentum.) Und das alles, um zu beweisen, daß man wirklich dazugehört.
Doch über einen Kamm scheren kann man die Konvertiten freilich auch nicht. Mein Lieblingskonvertit Evelyn Waugh, der übrigens großartige Bücher geschrieben hat, sagte mal: "Wäre ich nicht Katholik, dann wäre ich noch viel unausstehlicher.“ Und das klingt schließlich gar nicht ostentativ rechtgläubig, sondern ziemlich demütig.
Ja, ich gebe zu: Die exzentrischen, extravaganten, oft sehr spitzzüngigen und geistig unabhängigen Konvertiten aus der Literaturgeschichte sind mir oft lieber als manche der gegenwärtigen Exemplare. Denn es gibt sie tatsächlich: diese Nervensägen, die drei Monate nach der Konversion einem seit zwanzig Jahren mit dem Glauben Ringenden erklären wollen, wie er Glaubenskrisen überwinden kann. Oder vor Streitsucht überkochen, wenn irgendjemand in einem x-beliebigen Internetforum erwähnt, daß er für das Frauenpriestertum ist.
Aber warum ist das so?
Ich glaube, daß manche Konvertiten einer Gefahr erliegen. Einer Gefahr, der ich selbst bei meiner Rückkehr zur Kirche erlegen bin. Man nimmt den Glauben als Wahrheit an und verliert dann leicht das demütige Wissen, selbst immer wieder Irrtümern zu erliegen. Mit der Folge, daß man anderen Irrenden die Wahrheit wie ein nasses Handtuch um den Kopf schlägt, ganz ohne Selbstzweifel. Eine weitere Gefahr: Der Kopf bekehrt sich schneller als das Herz, so daß man das Wesentliche noch nicht erkennen kann - nämlich, daß die Liebe zu Gott und den Menschen und die persönliche Beziehung zu Christus im Mittelpunkt stehen sollen.
Nun gut, zumindest konnte ich solche Tendenzen an mir beobachten, aber ich bin gar kein Konvertit. Sondern ein Revertit, und das ist anders.
Eine anfängliche Phase hochfliegenden Glaubenseifers gab es für mich auch, direkt nach meiner Rückkehr zur Kirche. Doch dann kam schnell die Ernüchterung: Denn dabei zu bleiben und an sich zu arbeiten ist mühevoll. Die Zweifel sind nicht verschwunden, aber ich will nicht mehr auf sie hören.
Vielleicht haben Konvertiten das Gefühl, erwählt zu sein - ich weiß es nicht. Vielleicht ist es auch wie das Gefühl einer sehr späten Liebe, die verteidigt werden will. Beides ist großartig.
Mein Gefühl war eher: Ich bin wieder da. Es ist alles so wie früher, und diesmal will ich bleiben. Aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe, denn es hat ja schon einmal nicht geklappt.
Und doch wird es immer etwas geben, was mich zur Kirche zurückziehen wird. Eine Bindung, die früh gelegt wurde, sehr früh. Bei mir hat es damit zu tun, daß ich als Kind oft in der Heiligen Messe war, dort glücklich war und sich mir der ganze Ablauf tief eingeprägt hat. Es ist tatsächlich eine Prägung, ein Brandzeichen in der Seele. Wie sonst wäre es zu erklären, daß es Katholiken gibt, die mit der Kirche überhaupt nicht im Reinen sind - und trotzdem bleiben wollen. (Aus diesem Grund ist es lieblos, solchen Zweifelnden zu erklären, sie sollten doch einfach evangelisch werden. Das geht eben nicht!)
Und weil es dieses Band gibt, bin ich froh, kein Konvertit zu sein. Denn es gibt mir auch die Sicherheit, daß ich unwiderruflich dazugehöre, egal wie schwach ich bin. Ich weiß, daß mein Glaube höchst defizitär ist, aber ich muß mir nichts beweisen und werde ihn nie ganz verlieren.
Und die nervigen Konvertiten? Stehen eigentlich unter Welpenschutz, denn sie sind ja noch ganz neu dabei. Und natürlich ist es schön, wenn jemand zum Glauben findet. Im heutigen Deutschland ist das sicher eine ungewöhnliche, schwierige, von viel Mut und geistiger Unabhängigkeit getragene Entscheidung und damit auch ziemlich rebellisch und subversiv.
Wobei: Subversiver sind doch wir Revertiten, denn wir zeigen einen äußerst unzeitgemäßen Gehorsam: indem wir einfach zu dem Glauben zurückkehren, den Andere für uns ausgesucht haben.
Konvertiten ... Merkwürdigerweise denke ich bei diesem Wort zuerst an Pierre Vogel. Allerdings zeigt der Ex-Boxer und Salafistenprediger tatsächlich in Reinform einige Auffälligkeiten, die man an Konvertiten öfter beobachten kann: den Wunsch nach der absolut reinen Lehre, das Leugnen von Ambivalenzen, die Gewißheit, selbst zu hundert Prozent den rechten Glauben zu vertreten. Den Wunsch, dies öffentlich zu zeigen. Und nicht zuletzt: das Bedürfnis, sich durch äußere Zeichen wie Kleidung abzugrenzen. (Da hat der Islam freilich ein weiter gefächertes Angebot als das Christentum.) Und das alles, um zu beweisen, daß man wirklich dazugehört.
Doch über einen Kamm scheren kann man die Konvertiten freilich auch nicht. Mein Lieblingskonvertit Evelyn Waugh, der übrigens großartige Bücher geschrieben hat, sagte mal: "Wäre ich nicht Katholik, dann wäre ich noch viel unausstehlicher.“ Und das klingt schließlich gar nicht ostentativ rechtgläubig, sondern ziemlich demütig.
Ja, ich gebe zu: Die exzentrischen, extravaganten, oft sehr spitzzüngigen und geistig unabhängigen Konvertiten aus der Literaturgeschichte sind mir oft lieber als manche der gegenwärtigen Exemplare. Denn es gibt sie tatsächlich: diese Nervensägen, die drei Monate nach der Konversion einem seit zwanzig Jahren mit dem Glauben Ringenden erklären wollen, wie er Glaubenskrisen überwinden kann. Oder vor Streitsucht überkochen, wenn irgendjemand in einem x-beliebigen Internetforum erwähnt, daß er für das Frauenpriestertum ist.
Aber warum ist das so?
Ich glaube, daß manche Konvertiten einer Gefahr erliegen. Einer Gefahr, der ich selbst bei meiner Rückkehr zur Kirche erlegen bin. Man nimmt den Glauben als Wahrheit an und verliert dann leicht das demütige Wissen, selbst immer wieder Irrtümern zu erliegen. Mit der Folge, daß man anderen Irrenden die Wahrheit wie ein nasses Handtuch um den Kopf schlägt, ganz ohne Selbstzweifel. Eine weitere Gefahr: Der Kopf bekehrt sich schneller als das Herz, so daß man das Wesentliche noch nicht erkennen kann - nämlich, daß die Liebe zu Gott und den Menschen und die persönliche Beziehung zu Christus im Mittelpunkt stehen sollen.
Nun gut, zumindest konnte ich solche Tendenzen an mir beobachten, aber ich bin gar kein Konvertit. Sondern ein Revertit, und das ist anders.
Eine anfängliche Phase hochfliegenden Glaubenseifers gab es für mich auch, direkt nach meiner Rückkehr zur Kirche. Doch dann kam schnell die Ernüchterung: Denn dabei zu bleiben und an sich zu arbeiten ist mühevoll. Die Zweifel sind nicht verschwunden, aber ich will nicht mehr auf sie hören.
Vielleicht haben Konvertiten das Gefühl, erwählt zu sein - ich weiß es nicht. Vielleicht ist es auch wie das Gefühl einer sehr späten Liebe, die verteidigt werden will. Beides ist großartig.
Mein Gefühl war eher: Ich bin wieder da. Es ist alles so wie früher, und diesmal will ich bleiben. Aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe, denn es hat ja schon einmal nicht geklappt.
Und doch wird es immer etwas geben, was mich zur Kirche zurückziehen wird. Eine Bindung, die früh gelegt wurde, sehr früh. Bei mir hat es damit zu tun, daß ich als Kind oft in der Heiligen Messe war, dort glücklich war und sich mir der ganze Ablauf tief eingeprägt hat. Es ist tatsächlich eine Prägung, ein Brandzeichen in der Seele. Wie sonst wäre es zu erklären, daß es Katholiken gibt, die mit der Kirche überhaupt nicht im Reinen sind - und trotzdem bleiben wollen. (Aus diesem Grund ist es lieblos, solchen Zweifelnden zu erklären, sie sollten doch einfach evangelisch werden. Das geht eben nicht!)
Und weil es dieses Band gibt, bin ich froh, kein Konvertit zu sein. Denn es gibt mir auch die Sicherheit, daß ich unwiderruflich dazugehöre, egal wie schwach ich bin. Ich weiß, daß mein Glaube höchst defizitär ist, aber ich muß mir nichts beweisen und werde ihn nie ganz verlieren.
Und die nervigen Konvertiten? Stehen eigentlich unter Welpenschutz, denn sie sind ja noch ganz neu dabei. Und natürlich ist es schön, wenn jemand zum Glauben findet. Im heutigen Deutschland ist das sicher eine ungewöhnliche, schwierige, von viel Mut und geistiger Unabhängigkeit getragene Entscheidung und damit auch ziemlich rebellisch und subversiv.
Wobei: Subversiver sind doch wir Revertiten, denn wir zeigen einen äußerst unzeitgemäßen Gehorsam: indem wir einfach zu dem Glauben zurückkehren, den Andere für uns ausgesucht haben.
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