Im Zweifeln ist die Urangst aufgehoben, daß kein Gott ist, wir verwaist sind und das Universum leer ist. Doch Zweifel sind auch die Flügel, die dem Glauben helfen, sich fortzubewegen.
Meine letzte Glaubenskrise ist schon ein paar Monate her. Ich war kurz davor, den Glauben zu verlieren - weil ich den Glauben verlieren wollte. Doch waren nicht Zweifel an der Wahrheit des Glaubens der Grund, sondern Abneigung gegen die verschiedenen katholischen Milieus. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mir das eingestanden habe. Doch dann konnte ich auch mit dem konservativen Katholizismus in seiner deutschen Ausprägung endgültig brechen. Dort begegnete mir das Christentum zu oft in Gestalt eines einseitigen Moralismus.
Zum Glück ist der Glaube größer als das alles. Ich dachte darüber nach, was Glaube nicht ist, um mich dem annähern zu können was Glaube ist.
Ein erster Schritt war es für mich zu erkennen, daß Glaube und Gruppenidentität nicht identisch sind. Es ist leicht, sich als der bessere Christ zu fühlen, weil man eine bestimmte Meinung vertritt, konservativ ist oder liberal, sich mit anderen verbündet im Kampf gegen den Gegner. Doch letztlich weiß ich nicht, ob die alte Frau, die denkt, die Abschaffung des Zölibats wäre gut für die Kirche, Christus nicht mehr liebt als ich. Die Erkenntnis ist schwach, jeder pflegt seine Irrtümer und nur Gott kennt die Herzen.
Glaube ist nicht Ideologie. Er ist nicht identisch mit dem Fortschrittsglauben, der die Grundmelodie der säkularen Welt bildet - auch wenn oft versucht wird, diesen in den religiösen Bereich hineinzutransportieren. Zum Scheitern verurteilt ist aber auch der Traum, hinter die Moderne zurückzugehen. Mir begegneten Menschen, die von vergangenen goldenen Zeiten träumen, und ich gebe zu, daß dies reizvoll sein kann. Allerdings gibt es in der Geschichte keine goldenen Zeiten. Die Welt war auch 1950 schon gefallen, sie war es in der Barockzeit und im Mittelalter.
Sicher darf man Glauben auch nicht verwechseln mit der Begeisterung in den ersten Jahren nach der Re- oder Konversion. Der anfängliche Überschwang vergeht wie Verliebtheit. Ich merkte plötzlich: Da ist kein Gefühl mehr, nur Pflicht.
Die ästhetische Ergriffenheit, wenn man etwas sieht oder hört, was einem gefällt, seien es alte Choräle oder neue geistliche Lieder, seien es gotische Kathedralen oder karge neue Kirchenbauten, ist auch kein Glaube. Kunst kann zum Glauben führen, doch sie ist bloß Mittel und Weg. Ich war in der tridentinischen Messe, hörte gregorianischen Choral und es hat mich nicht berührt. Es war gut, denn ich gewann dadurch Freiheit.
Glaube ist nicht die gute Atmosphäre, die von einzelnen Personen geschaffen wird. Sie verschwindet, wenn diese Personen gehen, und man ist traurig. Dann zu bleiben ist wirklich schwer.
Glaube ist nicht Erkenntnisgewinn. Wenn man, frisch bekehrt, den Glauben entdeckt hat, droht die größte Gefahr: Hochmut. Es entfernt einen von Gott, wenn man anfängt zu denken, man sei anderen im Glauben voraus, weil diese sich in dem einen oder anderen Punkt irren. Wenn man versucht, mit Hilfe des Glaubens das Selbstwertgefühl aufzumöbeln. Sich wünscht, daß andere sehen, daß man mehr kniet als sie, demütiger ist als sie, die Kommunion würdiger empfängt, mehr und inniger betet, angemessener gekleidet ist. Wenn man zu glauben anfängt, man sei Gott näher als der Banknachbar.
Wenn Hochmut so gefährlich ist, liegt der Kern des Glaubens vielleicht in der Demut. Es schadet also nicht zu erkennen, wie wenig man weiß und wie schwach der eigene Glaube ist. Es schadet auch nicht, wenn das Vertrauen in die eigene Standfestigkeit erschüttert wird. Deshalb können Phasen der Dunkelheit und Müdigkeit ein Geschenk sein. Wenn Kleinigkeiten genügen, um Zweifel zu wecken; wenn man nicht mehr beten will und sich in die Sonntagsmesse zwingt; wenn man erkennt: hier gehöre ich nicht hin; wenn man 100 Mal am Tag denkt: ohne Glauben ginge es mir besser. Und wenn am Ende die Erkenntnis bleibt: Ich bin zu schwach zu glauben. Ich kann es nicht. Nicht ohne Deine Hilfe. Wenn man erkennt, daß man sich selbst nicht retten kann ...
... dann ist man vielleicht bereit zum nächsten Schritt: zu erkennen, daß man den eigenen Willen aufgeben muß, um Seinen tun zu können. Kann man jemals soweit kommen?
Dienstag, 22. März 2011
Montag, 21. März 2011
Zurück in Deutschland
Ich war eine Weile unterwegs und bin nach Deutschland zurückgekehrt. Es gibt vieles, was ich neu zu schätzen lerne: die Verläßlichkeit und daß fast alles funktioniert; der Hausarzt ist nur ein paar Schritte von der Wohnung entfernt und man bekommt sofort einen Termin; in den Supermärkten gibt es nicht nur Süßigkeiten, Chips und Softgetränke wie in manchen weit entfernten Ländern; Hotelzimmer ohne Kakerlaken; die Geradlinigkeit hier. Manches funktioniert allerdings nicht mehr so wie früher: Der Taxifahrer, der mich vom Flughafen nach Hause brachte, kannte meine Straße nicht und wußte noch nicht einmal den Weg zum Frankfurter Hauptbahnhof, er sprach kein Deutsch, war schwerhörig und konnte rechts und links nicht unterscheiden. Das habe ich erst gemerkt, nachdem er losgefahren war. Typisch, das ist Frankfurt, ein Taxifahrer als Symbol für die ganze multikultiversessene Unzulänglichkeit der Stadt.
Blickt man nach langer Zeit in deutsche Zeitungen, zeigt das Land sofort seine infamste Seite. Überall auf der Welt liest man von Tsunami und Erdbeben und von Leid und Tapferkeit der Japaner - nur hier gibt‘s einen Atom-Gau, der aus tagespolitischen Gründen beinahe herbeigesehnt wird. Widerlich.
Mir kommt der Gedanke, daß die Deutschen in Ordnung sind. Nur sollten sie sich von dieser durchideologisierten politischen Klasse und der diese begleitenden linken Journaille befreien.
Ist es eine Eigenschaft der Deutschen, sich in Ideologien hineinzusteigern und dabei Herzenskälte zu entwickeln? Blickt man von Außen auf das Land, wirkt es so. Vor allem, wenn man auf die Kirche blickt, und das ist tragisch. Die katholische Kirche in ihrer Ausformung hier würde woanders nur Kopfschütteln hervorrufen. Lieben sie einander? Gewiß nicht. Hier inszeniert man ideologische Grabenkämpfe zwischen Konservativen und Liberalen, veranstaltet Demos, Kundgebungen und erstellt Unterschriftenlisten ... Kann man hier überhaupt katholisch sein, ohne in irgendwelche politisierenden Auseinandersetzungen mit hineingezogen zu werden? Wenn man gesehen hat, mit wieviel Liebe zu Gott und dem Nächsten woanders Messe gefeiert wird, wecken die deutschen Verhältnisse nur noch Ekel. Und doch braucht man nur ein wenig zu verreisen, und die ganzen Auseinandersetzungen hier kommen einem vor wie ein Sturm im Wasserglas.
Blickt man nach langer Zeit in deutsche Zeitungen, zeigt das Land sofort seine infamste Seite. Überall auf der Welt liest man von Tsunami und Erdbeben und von Leid und Tapferkeit der Japaner - nur hier gibt‘s einen Atom-Gau, der aus tagespolitischen Gründen beinahe herbeigesehnt wird. Widerlich.
Mir kommt der Gedanke, daß die Deutschen in Ordnung sind. Nur sollten sie sich von dieser durchideologisierten politischen Klasse und der diese begleitenden linken Journaille befreien.
Ist es eine Eigenschaft der Deutschen, sich in Ideologien hineinzusteigern und dabei Herzenskälte zu entwickeln? Blickt man von Außen auf das Land, wirkt es so. Vor allem, wenn man auf die Kirche blickt, und das ist tragisch. Die katholische Kirche in ihrer Ausformung hier würde woanders nur Kopfschütteln hervorrufen. Lieben sie einander? Gewiß nicht. Hier inszeniert man ideologische Grabenkämpfe zwischen Konservativen und Liberalen, veranstaltet Demos, Kundgebungen und erstellt Unterschriftenlisten ... Kann man hier überhaupt katholisch sein, ohne in irgendwelche politisierenden Auseinandersetzungen mit hineingezogen zu werden? Wenn man gesehen hat, mit wieviel Liebe zu Gott und dem Nächsten woanders Messe gefeiert wird, wecken die deutschen Verhältnisse nur noch Ekel. Und doch braucht man nur ein wenig zu verreisen, und die ganzen Auseinandersetzungen hier kommen einem vor wie ein Sturm im Wasserglas.
Germany's next topmodel
Was ist dein größter Wunsch? Die Frage ist verräterisch. Mit der Antwort offenbart man den Entwurf des eigenen Ichs. Man erklärt, was im eigenen Leben den höchsten Wert darstellt. Und meist ist man nicht Individualist genug um zu denken, daß die eigenen Ziele nicht auch von einem großen Teil der Menschheit geteilt werden sollten. Wer sich eine glückliche Ehe oder Reichtum wünscht, denkt gewiß, daß auch andere danach streben sollten. So erlauben die Wünsche, die man hegt, Rückschlüsse auf das Menschenbild. Schon deshalb wecken Antworten wie „Porsche“, „beim Triathlon mitmachen“, „wieder in Größe 36 passen“, „F-Körbchen“ oder „ohne Ende Burger essen können“ verdientes Mißtrauen.
Wünsche ändern sich. Im Leben vieler Mädchen gibt es eine Zeit, in der es ihr größter Wunsch ist, Popstar oder Topmodel zu werden. Mit 13 wäre ich auch gerne Model geworden. Aber damals war das Leben eines Supermodels noch eine Verheißung. Es war die Zeit von Naomi Campbell, Linda Evangelista, Claudia Schiffer, Cindy Crawford und Christy Turlington. Diese fünf standen nur eine Stufe unter einer Diva, waren geheimnisumwittert, hatten eine Aura der Unerreichbarkeit und beinahe der Zeitenthobenheit, und wenn sie sich exzentrisch zeigten, war dies um so faszinierender. Genauso werden zu wollen - von der Welt und den Männern angebetet, schön, erfolgreich und ganz man selbst - für Teenager mit ihrem alterstypischen Narzißmus ein angemessenes Ziel.
Doch dann kam Heidi. Niemand käme auf die Idee, Heidi Klum als Diva zu bezeichnen. Sie hat ihren Beruf mit dem Ethos einer übereifrigen Sekretärin ausgeübt. Stets diszipliniert, übertrieben korrekt, fleißig, den Wünschen ihres Auftraggebers willenlos ergeben, ihr Soll immer übererfüllend. Sie hat es so weit getrieben, daß sie heute - mit knapp 38 Jahren - schon Züge einer komischen Alten entwickelt: Noch ist sie schön, aber das Schrille und Affektierte in ihrer Stimme, ihrer Gestik und ihrem Auftreten erinnert an Frauen, die sich viele Jahre nichts gegönnt haben, vor allem kein Glück und keine Pflichtvergessenheit. Heidi Klum hat die Figur des Supermodels entzaubert. Danach war alles Business-as-usual.
Ihr Erfolgsrezept machte sie zu einem Geschäftsmodell, und so entstand „Germany‘s next Topmodel“. Es ist nicht so, daß sie den Mädchen, die sich bei ihr bewerben, falsche Versprechungen machen würde. Die Nachwuchsmodels lernen, daß sie sich in High Heels, die nicht passen, die Füße blutig laufen und dabei lächeln müssen wie in einem bösen Märchen, ihre Bedürfnisse, ihre Beziehungen, Freundschaften, Gefühle und Erkältungen ignorieren, stets überzeugen, lächeln, willenlos gehorchen müssen, und als Belohnung winken noch nicht einmal Ruhm und viel Geld, sondern ein Job als C&A-Model.
Als ich mit 13 Supermodel werden wollte, war das etwas Ähnliches wie eine Prinzessin. Doch damals gab es noch kein Internet und viel mehr Geheimnisse. Und zum Glück gab es nicht die Möglichkeit, seine Wünsche an solche Retortenshows zu vergeuden. Keines der Mädchen, die sich bei Heidi Klum bewerben, kann noch ernsthaft der Illusion anhängen, ein Leben als Fotomodell sei groß und bewundernswert. Was also treibt diese Mädchen an? Wie traurig muß eine Jugend sein, wenn das ein Wunschtraum ist? Da ist doch sogar ein Bachelor in Betriebswirtschaftslehre glamouröser. Nein, ich verstehe es nicht.
Wünsche ändern sich. Im Leben vieler Mädchen gibt es eine Zeit, in der es ihr größter Wunsch ist, Popstar oder Topmodel zu werden. Mit 13 wäre ich auch gerne Model geworden. Aber damals war das Leben eines Supermodels noch eine Verheißung. Es war die Zeit von Naomi Campbell, Linda Evangelista, Claudia Schiffer, Cindy Crawford und Christy Turlington. Diese fünf standen nur eine Stufe unter einer Diva, waren geheimnisumwittert, hatten eine Aura der Unerreichbarkeit und beinahe der Zeitenthobenheit, und wenn sie sich exzentrisch zeigten, war dies um so faszinierender. Genauso werden zu wollen - von der Welt und den Männern angebetet, schön, erfolgreich und ganz man selbst - für Teenager mit ihrem alterstypischen Narzißmus ein angemessenes Ziel.
Doch dann kam Heidi. Niemand käme auf die Idee, Heidi Klum als Diva zu bezeichnen. Sie hat ihren Beruf mit dem Ethos einer übereifrigen Sekretärin ausgeübt. Stets diszipliniert, übertrieben korrekt, fleißig, den Wünschen ihres Auftraggebers willenlos ergeben, ihr Soll immer übererfüllend. Sie hat es so weit getrieben, daß sie heute - mit knapp 38 Jahren - schon Züge einer komischen Alten entwickelt: Noch ist sie schön, aber das Schrille und Affektierte in ihrer Stimme, ihrer Gestik und ihrem Auftreten erinnert an Frauen, die sich viele Jahre nichts gegönnt haben, vor allem kein Glück und keine Pflichtvergessenheit. Heidi Klum hat die Figur des Supermodels entzaubert. Danach war alles Business-as-usual.
Ihr Erfolgsrezept machte sie zu einem Geschäftsmodell, und so entstand „Germany‘s next Topmodel“. Es ist nicht so, daß sie den Mädchen, die sich bei ihr bewerben, falsche Versprechungen machen würde. Die Nachwuchsmodels lernen, daß sie sich in High Heels, die nicht passen, die Füße blutig laufen und dabei lächeln müssen wie in einem bösen Märchen, ihre Bedürfnisse, ihre Beziehungen, Freundschaften, Gefühle und Erkältungen ignorieren, stets überzeugen, lächeln, willenlos gehorchen müssen, und als Belohnung winken noch nicht einmal Ruhm und viel Geld, sondern ein Job als C&A-Model.
Als ich mit 13 Supermodel werden wollte, war das etwas Ähnliches wie eine Prinzessin. Doch damals gab es noch kein Internet und viel mehr Geheimnisse. Und zum Glück gab es nicht die Möglichkeit, seine Wünsche an solche Retortenshows zu vergeuden. Keines der Mädchen, die sich bei Heidi Klum bewerben, kann noch ernsthaft der Illusion anhängen, ein Leben als Fotomodell sei groß und bewundernswert. Was also treibt diese Mädchen an? Wie traurig muß eine Jugend sein, wenn das ein Wunschtraum ist? Da ist doch sogar ein Bachelor in Betriebswirtschaftslehre glamouröser. Nein, ich verstehe es nicht.
Sonntag, 23. Januar 2011
Jubiläum
Zehnjahresfeier der Firma, in der ich arbeite. Der Chef und Gründer blickt auf die Anfänge zurück, natürlich nicht ohne Stolz. Er erinnert sich, wieviele schlaflose Nächte ihn das Wagnis gekostet hat, wieviele Schulden er machte, wie oft er nicht wußte, wie es weitergehen sollte. Aber er hat an seinem Traum, wie es in diesen Fällen so oft heißt, festgehalten. Mittlerweile arbeiten in dem einstigen Zwei-Mann-Betrieb fast 40 Leute.
Ungefähr so müßte wohl auch ein Christenleben aussehen. Etwas wagen! Nur daß unser Traum kein Unternehmen ist, sondern Gott.
Ungefähr so müßte wohl auch ein Christenleben aussehen. Etwas wagen! Nur daß unser Traum kein Unternehmen ist, sondern Gott.
Montag, 17. Januar 2011
Askese
Ich frage mich gerade, ob ich überhaupt noch über religiöse Themen schreiben soll – oder darf. Hugo Ball, Avantgardist, Dadaist, Konvertit und Autor von Büchern, die auf faszinierende Weise Poesie und Theologie verbinden, schreibt nämlich in seinem „Byzantinischen Christentum“: „Man wußte dazumal besser als heute, daß von religiösen Dingen nur sprechen dürfe, wer der Askese, der körperlichen und geistigen Läuterung, nicht aus dem Wege ging. Religion und Geist aber waren identisch.“ Und hat er nicht recht? Kann man wirklich so etwas wie Führung, Wegweisung in geistigen Dingen beanspruchen, wenn man sich nicht innerlich gereinigt hat? Nebenbei bemerkt, ist das auch ein starkes Argument für den Priesterzölibat. Allerdings kann ich das Schreiben auch nicht ganz lassen. Eine Rechtfertigung könnte darin bestehen, auf Personen (oder Bücher) aufmerksam zu machen, die tatsächlich Orientierung geben können.
Sonntag, 26. Dezember 2010
Aurelius Prudentius: Corde natus ex parentis (Weihnachtshymnus)
Corde natus ex parentis / Ante mundi exordium / A et O cognominatus, / ipse fons et clausula / Omnium quae sunt, fuerunt, / quaeque post futura sunt.
Im Herzen des Vaters geboren, / Noch ehe die Welt entstand, / Wird A und O der genannt, / Der selber Ursprung und Ziel ist / All dessen, was ist und was war, / was nach uns noch kommt.
O beatus ortus ille, / virgo cum puerpera / Edidit nostram salutem, / feta Sancto Spiritu, / Et puer redemptor orbis / os sacratum protulit.
O selig jener Anfang, / Als die Jungfrau gebar! / Sie brachte uns Rettung, / Trug Frucht vom heiligen Geist, / Und der Knabe, der Welterlöser, / Zeigte sein heiliges Antlitz.
Psallat altitudo caeli, / psallite omnes angeli, / Quidquid est virtutis usquam / psallat in laudem Dei, / Nulla linguarum silescat, / vox et omnis consonet.
Lobsinge, du himmlische Höhe, / Lobsingt ihr Engel alle! / Was immer nur Kraft hat / Soll singen zum göttlichen Lob. / Keine Zunge soll schweigen, / Jede Stimme ertönen!
Ecce, quem vates vetustis / concinebant saeculis, / Quem prophetarum fideles / paginae spoponderant, / Emicat promissus olim; / cuncta conlaudent eum.
Schaut her, den die Seher / Besangen in uralter Zeit, / Für den sich prophetische Schriften / Sicher verbürgten, / Der lange Verheiß'ne erscheint: / Laßt uns alle ihn loben!
Te senes et te iuventus, / parvulorum te chorus, / Turba matrum, virginumque, / simplices puellulae, / Voce concordes pudicis / perstrepant concentibus.
Dich sollen besingen Alte und Junge, / Der zarte Chor der Knaben, / Die Schar der Mütter und Jungfrau'n / Die einfachen Mädchen / Sollen reine Stimmen erheben, / und vereint dich preisen!
Übersetzung von Jacopone
Im Herzen des Vaters geboren, / Noch ehe die Welt entstand, / Wird A und O der genannt, / Der selber Ursprung und Ziel ist / All dessen, was ist und was war, / was nach uns noch kommt.
O beatus ortus ille, / virgo cum puerpera / Edidit nostram salutem, / feta Sancto Spiritu, / Et puer redemptor orbis / os sacratum protulit.
O selig jener Anfang, / Als die Jungfrau gebar! / Sie brachte uns Rettung, / Trug Frucht vom heiligen Geist, / Und der Knabe, der Welterlöser, / Zeigte sein heiliges Antlitz.
Psallat altitudo caeli, / psallite omnes angeli, / Quidquid est virtutis usquam / psallat in laudem Dei, / Nulla linguarum silescat, / vox et omnis consonet.
Lobsinge, du himmlische Höhe, / Lobsingt ihr Engel alle! / Was immer nur Kraft hat / Soll singen zum göttlichen Lob. / Keine Zunge soll schweigen, / Jede Stimme ertönen!
Ecce, quem vates vetustis / concinebant saeculis, / Quem prophetarum fideles / paginae spoponderant, / Emicat promissus olim; / cuncta conlaudent eum.
Schaut her, den die Seher / Besangen in uralter Zeit, / Für den sich prophetische Schriften / Sicher verbürgten, / Der lange Verheiß'ne erscheint: / Laßt uns alle ihn loben!
Te senes et te iuventus, / parvulorum te chorus, / Turba matrum, virginumque, / simplices puellulae, / Voce concordes pudicis / perstrepant concentibus.
Dich sollen besingen Alte und Junge, / Der zarte Chor der Knaben, / Die Schar der Mütter und Jungfrau'n / Die einfachen Mädchen / Sollen reine Stimmen erheben, / und vereint dich preisen!
Übersetzung von Jacopone
Dienstag, 9. November 2010
... dieses Geheimnis ganz leise allen mitteilen
Heute, am 9. November, jährt sich der Todestag der seligen Elisabeth von Dijon. Sie starb bereits mit 26 Jahren 1906 im Karmel von Dijon. Mit 21 Jahren war sie in das Kloster eingetreten. Elisabeth von Dijon war vielseitig begabt, eine hervorragende Pianistin, intelligent und für alles Schöne aufgeschlossen. Nach weltlichen Maßstäben ist sie viel zu früh gestorben, und ihre Begabungen konnte sie „hinter Klostermauern“ auch nicht entfalten. Elisabeth selbst aber hätte einer solchen Sichtweise vehement widersprochen: „Mir scheint, ich habe meinen Himmel auf Erden gefunden, denn der Himmel ist Gott, und Gott ist in mir. An dem Tag, da ich dies verstanden habe, ist in mir alles hell geworden, und ich möchte dieses Geheimnis ganz leise allen mitteilen, die ich liebe", schrieb sie.
Ihr Ordensname „von der Heiligsten Dreifaltigkeit“ wurde ihr, wie Pater Recktenwald (http://www.kath-info.de/silvestrelli.html) schreibt, zum Programm. Aus der Anbetung der Trinität entwickelte sie eine mystische Spiritualität, die viele Menschen begeisterte und Theologen wie Hans-Urs von Balthasar dazu anregte, sich mit ihr zu befassen. Im Alter von 24 Jahren schrieb sie in einem Zug ihr berühmtes „Gebet an die Hl. Dreifaltigkeit“, einen der großen mystischen Texte des 20. Jahrhunderts.
Kaum zwei Jahre später wurde sie schwer krank und bettlägerig. Aus ihrem tiefen Glauben heraus konnte sie aber auch Krankheit und Schmerzen annehmen. Das schreibt sich so leicht. Aber nach allem, was wir von Elisabeth wissen, ist es die reine Wahrheit: „In dieser letzten Stunde meiner irdischen Verbannung, an diesem schönen Abend meines Lebens, erscheint mir im Licht der Ewigkeit alles so ernst... Ich möchte allen Menschen sagen können, wie leer und nichtig alles ist, was nicht für Gott getan wird!”, schrieb sie kurze Zeit vor ihrem Tod einer Freundin. Nach einer letzten qualvollen Nacht starb sie friedlich am Morgen des 9. November.
Ein verfehltes, vertanes Leben? Die Kirche sieht es, mal wieder, anders: „Unserer verunsicherten Menschheit, die scheinbar Gott nicht mehr oder nur entstellt findet und auf der Suche nach einem Wort ist, auf das sie ihre Hoffnung gründen kann, vermittelt Elisabeth von der heiligen Dreifaltigkeit das Zeugnis eines vollkommenen Offenseins für das Wort Gottes, das sie in einem solchen Maß geistig in sich aufnahm, daß sie darin alle Gründe fand, für das Lob der Herrlichkeit des dreifaltigen Gottes zu leben und sich ihm zu weihen“, sagte Papst Johannes Paul II. bei ihrer Seligsprechung. „Und diese Nonne, die weit davon entfernt war, sich abzuschließen, hat es verstanden, ihren Mitschwestern und ihren Nächsten den Reichtum ihrer mystischen Erfahrungen mitzuteilen.“ Oder einfacher formuliert: Elisabeth war so glücklich, daß sie allen Menschen, die sie kannte, daran teilnehmen lassen wollte. Kann man vom Leben mehr verlangen?
(Dieser Beitrag stützt sich auf die zitierte Webseite bei kath.info sowie auf die Kurzbiographie von Ferdinand Holböck, Die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Band 2, Stein am Rhein: Christiana 1992, S. 31ff.)
Ihr Ordensname „von der Heiligsten Dreifaltigkeit“ wurde ihr, wie Pater Recktenwald (http://www.kath-info.de/silvestrelli.html) schreibt, zum Programm. Aus der Anbetung der Trinität entwickelte sie eine mystische Spiritualität, die viele Menschen begeisterte und Theologen wie Hans-Urs von Balthasar dazu anregte, sich mit ihr zu befassen. Im Alter von 24 Jahren schrieb sie in einem Zug ihr berühmtes „Gebet an die Hl. Dreifaltigkeit“, einen der großen mystischen Texte des 20. Jahrhunderts.
Kaum zwei Jahre später wurde sie schwer krank und bettlägerig. Aus ihrem tiefen Glauben heraus konnte sie aber auch Krankheit und Schmerzen annehmen. Das schreibt sich so leicht. Aber nach allem, was wir von Elisabeth wissen, ist es die reine Wahrheit: „In dieser letzten Stunde meiner irdischen Verbannung, an diesem schönen Abend meines Lebens, erscheint mir im Licht der Ewigkeit alles so ernst... Ich möchte allen Menschen sagen können, wie leer und nichtig alles ist, was nicht für Gott getan wird!”, schrieb sie kurze Zeit vor ihrem Tod einer Freundin. Nach einer letzten qualvollen Nacht starb sie friedlich am Morgen des 9. November.
Ein verfehltes, vertanes Leben? Die Kirche sieht es, mal wieder, anders: „Unserer verunsicherten Menschheit, die scheinbar Gott nicht mehr oder nur entstellt findet und auf der Suche nach einem Wort ist, auf das sie ihre Hoffnung gründen kann, vermittelt Elisabeth von der heiligen Dreifaltigkeit das Zeugnis eines vollkommenen Offenseins für das Wort Gottes, das sie in einem solchen Maß geistig in sich aufnahm, daß sie darin alle Gründe fand, für das Lob der Herrlichkeit des dreifaltigen Gottes zu leben und sich ihm zu weihen“, sagte Papst Johannes Paul II. bei ihrer Seligsprechung. „Und diese Nonne, die weit davon entfernt war, sich abzuschließen, hat es verstanden, ihren Mitschwestern und ihren Nächsten den Reichtum ihrer mystischen Erfahrungen mitzuteilen.“ Oder einfacher formuliert: Elisabeth war so glücklich, daß sie allen Menschen, die sie kannte, daran teilnehmen lassen wollte. Kann man vom Leben mehr verlangen?
(Dieser Beitrag stützt sich auf die zitierte Webseite bei kath.info sowie auf die Kurzbiographie von Ferdinand Holböck, Die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Band 2, Stein am Rhein: Christiana 1992, S. 31ff.)
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