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Montag, 7. Juni 2010

Kruzifix-Verzicht auch ohne Verbot

Jacopone war am Samstag in einem Vortrag in einem katholischen Bildungshaus. Wer weiß, vielleicht berichtet er ja noch darüber (herüberwink). Am Ende des Vortrags sollte ein Gebet gesprochen werden, und da stellte man fest: Im ganzen Vortragssaal war kein Kreuz an der Wand. In einem katholischen Bildungshaus!

Die Lage sieht also so aus: Verbietet man den Italienern die Kreuze, stellen sie alle 5 m eins auf. Im EU-Musterland BRD müssen Kreuze noch nicht einmal verboten werden. Zwar wird noch über Kruzifix-Verbote in Gerichtssälen diskutiert, doch die deutsche katholische Kirche zeigt, wie's geht.  Man will ja immer progressiv sein, vorwärts immer, rückwärts nimmer, und dem Zeitgeist treu: Wenn man da einmal Vorbildfunktion für den Mainstream haben kann, schafft man sich auch gerne selbst ab. Bin gerade mal wieder so richtig stolz auf mein Heimatland!

Aber wenigstens werden heute in Deutschland keine Kirchen mehr gebaut. Die würden am Ende von innen aussehen wie das Wartezimmer in der Stadtverwaltung. Oder wie ein Klassenzimmer, aber halt: Da hängt ja unter Umständen noch ein Kreuz.

Montag, 10. Mai 2010

Was im Mittelalter besser war: Wahlen

Die Wahl in NRW bestätigt wieder einmal die Krise der Demokratie. Ihr Symptom: die stetig sinkende Wahlbeteiligung. Ihre Ursache: Man traut den Politikern die Lösung der Probleme nicht mehr zu. Aktuelles Beispiel ist die Rettung des Euro. Jeder vernünftige Mensch weiß, daß die Ursache seiner Schwäche der gigantische Schuldenberg ist, den die westlichen Länder zur Finanzierung ihrer Wohlfahrtsstaaten aufgetürmt haben. Doch das ist tabu. Lieber bläst man zur „Generalmobilmachung“ gegen „angelsächsische Spekulanten“, den bösen Feind, der Europa, diese Insel der Gerechtigkeit, mit finsteren Machenschaften bedroht (früher übernahm diesen Part das internationale Finanzjudentum). Unterdessen fließen weiter Millionen und Milliarden in den Ausbau von Kita-Plätzen, in die zigste Reform des Bildungswesens und andere Projekte, die den Zerfall der europäischen Gesellschaften nicht aufhalten, sondern fördern – ein politisches System demontiert sich selbst. Da mag ein Blick auf frühere Zeiten hilfreich sein. 
Womit wir endlich beim Thema wären: Denn das Mittelalter war eine wahlfreudige Epoche. Die wichtigsten Repräsentanten der Christenheit, Kaiser und Papst, verdankten ihre Ämter einer Wahl. Klöster wählten ihren Abt, Domkapitel ihren Bischof. Und auf bestimmten Ebenen, etwa den freien Reichsstädten, Zünften, Universitäten oder ähnlichen Zusammenschlüssen, gab es schon ein allgemeines Wahlrecht. Der wichtigste Unterschied zwischen mittelalterlichen und modernen Wahlen liegt wohl darin, dass die moderne Wahl ganz vom Gedanken der Mehrheitsentscheidung beherrscht wird. Das wirkt auf den ersten Blick selbstverständlich, ist es aber nicht. Bei mittelalterlichen Wahlen konnte unter Umständen auch die Minderheit Recht haben: Nicht die Mehrheit, sondern der klügere Teil, die „sanior pars“, wie man damals sagte, sollte den Ausschlag geben. Denn es ging darum, den würdigsten Kandidaten für ein Amt herauszufinden: denjenigen, den Gott dazu bestimmt hatte. Das Mittelalter qualifizierte also die Stimmen, oder anders gesagt: Es gab nicht der Quantität den Vorrang, sondern der Qualität. Das provoziert natürlich den modernen Massenmenschen, der am liebsten Seinesgleichen an der Spitze sehen will. André Lichtschlag hat den Zustand, der dadurch entsteht, als Ochlokratie, als Pöbelherrschaft, bezeichnet. Und genau da sind wir mittlerweile angekommen. Narürlich kann man dem Mittelalter keine Patenrezepte entnehmen. Aber zweierlei könnten wir doch lernen: Erstens daß eine Demokratie ohne Aristokratie nicht funktioniert. Und zweitens, daß es auch beim Wählen eine Verantwortung vor Gott gibt.

Mittwoch, 7. April 2010

Impression

Vor ein paar Tagen war ich wieder einmal an meiner alten Uni. Seltsam: Wenn ich das Campus-Gelände heute betrete, befällt mich jedesmal eine leise Depression. Nicht aus Sehnsucht nach der verflossenen Studentenzeit – es ist eher der Eindruck der Verwahrlosung, ja des Verfalls, der sich überall aufdrängt und den ich früher nicht so wahrnahm. Zwar wird an vielen Stellen gebaut, aber dennoch stellt sich keine Aufbruchstimmung ein, Gleichgültigkeit und Desinteresse überwiegen. An den Baustellen informieren keine Schilder darüber, was hier entstehen soll. Niemand scheint sich dafür zu interessieren. Die Gebäude sind ungepflegt und schmutzig, notdürftig ausgebessert und technisch nachgerüstet, um der wachsenden Zahl der Studenten standzuhalten. Zwischen den halb fertigen oder verfallenden Bauten immer noch die allgegenwärtige linke Propaganda, Plakate, Graffiti, Parolen, die sich anscheinend nirgendwo so zäh halten wie im Bildungswesen. Ob zwischen der um sich greifenden Verwahrlosung und der ungebrochenen Vorherrschaft linker Ideologien nicht ein Zusammenhang besteht? Auch das Konterfei von Karl Marx entdecke ich auf den Plakaten. Und plötzlich weiß ich, woran mich die Szenerie erinnert: an meinen ersten und einzigen Besuch in der real existierenden DDR 1986. Die gleiche graue Trostlosigkeit, die gleichen Parolen. Ein beeinruhigender Gedanke: die Universitäten als Vorgeschmack dessen, was die Bundesrepublik auf ihrem Weg in eine „DDR light“ erwartet.