"Der Königssohn half Dornröschen, deren Glieder noch immer etwas eingeschlafen waren, aus dem Bette. Sie war ganz angekleidet, wobei er bemerkte, daß ihre Toilette die größte Ähnlichkeit hatte mit der seiner seligen Großmutter. Aber er hütete sich, darüber ein Wörtchen zu verlieren. Er ging sogar so weit, ihre veraltete Tracht von anno dazumal auf feine Weise zu loben, was ihm in ihren Augen gewiß nicht schadete, obwohl sie tat, als läge ihr an solchen Kleinigkeiten wie Kleider und Putz nicht das allermindeste."
Das Märchen von Dornröschen kennt jeder. Doch hört sich das nicht ein bißchen anders an? Nicht so verspielt, augenzwinkernd und galant? Wir kennen die Fassung der Brüder Grimm, und deren Kinder- und Hausmärchen sollten freilich, dem Geschmack der Romantik entsprechend, volkstümlich und einfach klingen - als handelte es sich um die unmittelbare Niederschrift eines lange nur mündlich überlieferten Textes (und damit es so klang, mußten die beiden Sammler lange an ihren Märchen feilen.) Das Zitat oben stammt jedoch aus der französischen Fassung von Dornröschen, "La Belle au Bois dormant", von Charles Perrault (1628-1703). Er hat die Gattung "Märchen" in Europa erst berühmt gemacht, und auch die Brüder Grimm haben Märchen von ihm übernommen. Perrault schrieb für das gebildete Publikum der Pariser Salons - und dazu paßt sein Tonfall sehr gut. Vor 306 Jahren ist Charles Perrault gestorben.
Samstag, 16. Mai 2009
Donnerstag, 14. Mai 2009
Der Papst und die Medien
Benedikt XVI. wird als moralische und intellektuelle Instanz weltweit gewürdigt. Doch der Traum von einer angepaßten Zeitgeist-Kirche läßt sich mit ihm nicht träumen: Er positioniert sich deutlich gegen Tendenzen der Zeit, die er als Irrwege erkannt hat. Dies erklärt die Stimmungsmache gegen den Papst in den deutschsprachigen Medien. Seit Jahresbeginn jagt eine Kampagne die nächste, und wenn der Papst auf Reisen ist, bricht eine Welle inszenierter Empörung schon los, bevor er das Flugzeug verlassen hat. Dabei scheint es vor allem darum zu gehen, das Ansehen des Papstes zu beschädigen, damit seine Stimme nicht mehr gehört wird. Es war also durchaus vorhersehbar, daß die Reise des Papstes ins Heilige Land von Süddeutsche, Spiegel, taz, ARD etc. weder gerecht noch kenntnisreich kommentiert wird. Eine hervorragende Analyse der Medienkampagne gegen Papst Benedikt anläßlich der Aufhebung der Exkommunikation (nicht: Rehabilitierung!) der Pius-Bischöfe verfaßte Andreas Püttman für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“. Herunterladen kann man den Aufsatz hier.
Ein paar Zitate:
"Man will den alten weisen Mann, der in seiner Güte, Geistesgröße und moralischen Konsequenz eine wandelnde Mahnung an das „bessere Ich“ und den inneren Schweinehund ist – partout selbst in Schuld verstrickt, entlarvt, gedemütigt und zu Kreuze kriechen sehen."
"Es konnte in diesen Wochen schon erschüttern, wie schnell Joseph Ratzingers Verdienste um die christlich-jüdische Aussöhnung weggewischt wurden. Aber nicht nur diese. Überhaupt verrutschten in der Eigendynamik des antirömischen Kesseltreibens die Proportionen: Papst Benedikt hat in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit zwei allseits bewunderte Enzykliken und einen Bestseller über Jesus vorgelegt, zwei eindrucksvolle Weltjugendtage und eine Reihe höchst erfolgreicher Auslandsreisen – darunter auf so vermintes Terrain wie die Türkei, Polen (Auschwitz) und die USA – absolviert und wichtige Debatten über Religion und Vernunft sowie Glaube und Gewalt angestoßen. Eine absolute Mehrheit der Deutschen lobte seine Arbeit noch jüngst als „gut“ oder „sehr gut“. Nun soll er laut deutschen Leitmedien plötzlich eine „Fehlbesetzung“, ein „Pontifex der Pleiten und Pannen“ (Der Spiegel) sein, nur weil seine pastorale Versöhnungsgeste gegenüber den Piusbrüdern auch einen Mann mit abstrusen politischhistorischen Ideen betrifft?“
"Knapp vier Jahre nach Beginn des Pontifikats ist es mit der Beißhemmung in kirchenferner wie kircheninterner Öffentlichkeit endgültig vorbei: „Der Geifer, mit dem sich in diesen Tagen Journalisten auf den Papst stürzen, erinnert an eine Meute ausgehungerter Wölfe“ (Peter Seewald). Daß Benedikt XVI. „in schöner Regelmäßigkeit Kollisionen mit der real existierenden Welt“ passieren (Der Spiegel), ist aber gar kein Manko, sondern biblischer Normalfall und geradezu Qualitätsbeweis dieses Pontifikats, das von Anfang an spannend zu werden versprach.“
Ein paar Zitate:
"Man will den alten weisen Mann, der in seiner Güte, Geistesgröße und moralischen Konsequenz eine wandelnde Mahnung an das „bessere Ich“ und den inneren Schweinehund ist – partout selbst in Schuld verstrickt, entlarvt, gedemütigt und zu Kreuze kriechen sehen."
"Es konnte in diesen Wochen schon erschüttern, wie schnell Joseph Ratzingers Verdienste um die christlich-jüdische Aussöhnung weggewischt wurden. Aber nicht nur diese. Überhaupt verrutschten in der Eigendynamik des antirömischen Kesseltreibens die Proportionen: Papst Benedikt hat in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit zwei allseits bewunderte Enzykliken und einen Bestseller über Jesus vorgelegt, zwei eindrucksvolle Weltjugendtage und eine Reihe höchst erfolgreicher Auslandsreisen – darunter auf so vermintes Terrain wie die Türkei, Polen (Auschwitz) und die USA – absolviert und wichtige Debatten über Religion und Vernunft sowie Glaube und Gewalt angestoßen. Eine absolute Mehrheit der Deutschen lobte seine Arbeit noch jüngst als „gut“ oder „sehr gut“. Nun soll er laut deutschen Leitmedien plötzlich eine „Fehlbesetzung“, ein „Pontifex der Pleiten und Pannen“ (Der Spiegel) sein, nur weil seine pastorale Versöhnungsgeste gegenüber den Piusbrüdern auch einen Mann mit abstrusen politischhistorischen Ideen betrifft?“
"Knapp vier Jahre nach Beginn des Pontifikats ist es mit der Beißhemmung in kirchenferner wie kircheninterner Öffentlichkeit endgültig vorbei: „Der Geifer, mit dem sich in diesen Tagen Journalisten auf den Papst stürzen, erinnert an eine Meute ausgehungerter Wölfe“ (Peter Seewald). Daß Benedikt XVI. „in schöner Regelmäßigkeit Kollisionen mit der real existierenden Welt“ passieren (Der Spiegel), ist aber gar kein Manko, sondern biblischer Normalfall und geradezu Qualitätsbeweis dieses Pontifikats, das von Anfang an spannend zu werden versprach.“
Dienstag, 12. Mai 2009
Samstag, 9. Mai 2009
1984
Noch einmal gelesen: Orwells "1984", und erstaunt über die Zeitlosigkeit dieses Entwurfs. Deutlich ist: Totalitarismus beginnt in den Köpfen. Jedes totalitäre System sucht die Kontrolle über die Wahrnehmung und die Gedanken des Einzelnen. Damit die Wirklichkeit geleugnet und einer Idee untergeordnet werden kann.
Deutlich wird auch: Einem totalitären System hat wenig entgegenzusetzen, wer seiner eigenen Wahrnehmung nicht vertraut, nicht den Versuch wagt, die Wahrheit selbst zu erkennen, nach Erkenntnis zu suchen mit den Mitteln seiner Vernunft. Deshalb: "Freedom is the freedom to say that two plus two make four."
Doch das Leugnen von Erkenntnissen, die auf der Hand liegen, ist heute zu einer Mode-Ideologie geworden. Der Konstruktivismus besteht in der Annahme, "dass jeder Mensch sich seine eigene Wirklichkeit konstruiert, also jeder Einzelne in einer anderen Wirklichkeit lebt und es somit keine für alle Menschen gleichermaßen gültige Wirklichkeit gibt". Warum er letztlich absurd ist, beschreibt Eugen Maria Schulak heute im EF-Blog.
Eins ist klar: Der Konstruktivismus raubt seinen Anhängern den Mut und das Vertrauen in ihre eigene Erkenntnisfähigkeit. Und wo es nichts zu verteidigen gibt, hat man einem Gegner, der entschlossener auftritt, nichts entgegenzusetzen. Deshalb halte ich den Konstruktivismus für gefährlich - auch wenn er sich selbst als Gegenentwurf zu jedem totalitären Denken betrachtet.
Orwell zeigt dagegen hellsichtig, was wirklich vor totalitären Systemen schützt: Literatur, Einsamkeit, Tagebuch-Schreiben, Individualität, Religion, Liebe, Familie, Musik, Natur. Und das Festhalten an der Wahrheit, die man selbst erkannt hat: "Being in a minority, even a minority of one, did not make you mad. There was truth and there was untruth, and if you clung to the truth even against the whole world, you were not mad."
Deutlich wird auch: Einem totalitären System hat wenig entgegenzusetzen, wer seiner eigenen Wahrnehmung nicht vertraut, nicht den Versuch wagt, die Wahrheit selbst zu erkennen, nach Erkenntnis zu suchen mit den Mitteln seiner Vernunft. Deshalb: "Freedom is the freedom to say that two plus two make four."
Doch das Leugnen von Erkenntnissen, die auf der Hand liegen, ist heute zu einer Mode-Ideologie geworden. Der Konstruktivismus besteht in der Annahme, "dass jeder Mensch sich seine eigene Wirklichkeit konstruiert, also jeder Einzelne in einer anderen Wirklichkeit lebt und es somit keine für alle Menschen gleichermaßen gültige Wirklichkeit gibt". Warum er letztlich absurd ist, beschreibt Eugen Maria Schulak heute im EF-Blog.
Eins ist klar: Der Konstruktivismus raubt seinen Anhängern den Mut und das Vertrauen in ihre eigene Erkenntnisfähigkeit. Und wo es nichts zu verteidigen gibt, hat man einem Gegner, der entschlossener auftritt, nichts entgegenzusetzen. Deshalb halte ich den Konstruktivismus für gefährlich - auch wenn er sich selbst als Gegenentwurf zu jedem totalitären Denken betrachtet.
Orwell zeigt dagegen hellsichtig, was wirklich vor totalitären Systemen schützt: Literatur, Einsamkeit, Tagebuch-Schreiben, Individualität, Religion, Liebe, Familie, Musik, Natur. Und das Festhalten an der Wahrheit, die man selbst erkannt hat: "Being in a minority, even a minority of one, did not make you mad. There was truth and there was untruth, and if you clung to the truth even against the whole world, you were not mad."
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Montag, 4. Mai 2009
Pygmalion
Der Bildhauer Pygmalion war von den Frauen enttäuscht. Er verliebte sich in eine Elfenbeinstatue, die er selbst erschaffen hatte, und flehte Aphrodite an, ihm eine Frau zu schenken, die seiner Statue ähnlich ist. Daraufhin erwacht die Statue zum Leben. Nachzulesen ist dies bei Ovid in den "Metamorphosen".
Der alte Gedanke, lebendige Menschen einem elfenbeinernen Ideal zu unterwerfen und sie auf diese Weise zu perfektionieren, gefiel besonders der Aufklärung. So schlüpfte auch der junge Heinrich von Kleist, den Kopf noch voll von aufklärerischen Vorstellungen, in die Rolle des Pygmalion. Seiner Braut Wilhelmine von Zenge gab er Denkübungen auf, um ihren Verstand und ihre Seelenkräfte zu formen. Die Verlobung platzte, und Wilhelmine schrieb an ihren späteren Ehemann Wilhelm Traugott Krug: "Er hatte einen erhabenen Begriff von Sittlichkeit, und mich wollte er zum Ideal umschaffen, welches mich oft bekümmerte." Der Mythos von Pygmalion begegnet hier also als Tragödie zweier Liebender.
Mit Zügen eines Satyrspiels stattet ihn dagegen George Bernard Shaw aus. Sein Schauspiel "Pygmalion" erzählt die Geschichte des Professors Henry Higgins, eines selbstgerechten Sprachwissenschaftlers, der der Blumenverkäuferin Eliza Doolittle beibringen will, mit dem Akzent einer Herzogin der Londoner Gesellschaft zu sprechen. Doch auch hier endet die Geschichte traurig: Eliza verläßt den kaltherzigen Professor, weil er nicht sie liebt, sondern sein Ideal.
Shaws Schauspiel wurde später umgearbeitet zu dem Musical "My fair lady", und hier gibt es endlich ein Happy End: Der eingefleischte Junggeselle Higgins verliebt sich in Eliza und sie träumen einer ungewissen Zukunft entgegen.
Als das Musical 1964 verfilmt wurde, spielte Audrey Hepburn die Rolle der Eliza. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Denn die zarte, elfenhafte Hepburn, Tochter eines englischen Bankiers und einer niederländischen Baronin, war als robustes Gossenmädchen eine geradezu groteske Fehlbesetzung. Dennoch ist Hepburn mit dieser Rolle vielen in Erinnerung geblieben. Heute wäre Audrey Hepburn 80 Jahre alt geworden.
Der alte Gedanke, lebendige Menschen einem elfenbeinernen Ideal zu unterwerfen und sie auf diese Weise zu perfektionieren, gefiel besonders der Aufklärung. So schlüpfte auch der junge Heinrich von Kleist, den Kopf noch voll von aufklärerischen Vorstellungen, in die Rolle des Pygmalion. Seiner Braut Wilhelmine von Zenge gab er Denkübungen auf, um ihren Verstand und ihre Seelenkräfte zu formen. Die Verlobung platzte, und Wilhelmine schrieb an ihren späteren Ehemann Wilhelm Traugott Krug: "Er hatte einen erhabenen Begriff von Sittlichkeit, und mich wollte er zum Ideal umschaffen, welches mich oft bekümmerte." Der Mythos von Pygmalion begegnet hier also als Tragödie zweier Liebender.
Mit Zügen eines Satyrspiels stattet ihn dagegen George Bernard Shaw aus. Sein Schauspiel "Pygmalion" erzählt die Geschichte des Professors Henry Higgins, eines selbstgerechten Sprachwissenschaftlers, der der Blumenverkäuferin Eliza Doolittle beibringen will, mit dem Akzent einer Herzogin der Londoner Gesellschaft zu sprechen. Doch auch hier endet die Geschichte traurig: Eliza verläßt den kaltherzigen Professor, weil er nicht sie liebt, sondern sein Ideal.
Shaws Schauspiel wurde später umgearbeitet zu dem Musical "My fair lady", und hier gibt es endlich ein Happy End: Der eingefleischte Junggeselle Higgins verliebt sich in Eliza und sie träumen einer ungewissen Zukunft entgegen.
Als das Musical 1964 verfilmt wurde, spielte Audrey Hepburn die Rolle der Eliza. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Denn die zarte, elfenhafte Hepburn, Tochter eines englischen Bankiers und einer niederländischen Baronin, war als robustes Gossenmädchen eine geradezu groteske Fehlbesetzung. Dennoch ist Hepburn mit dieser Rolle vielen in Erinnerung geblieben. Heute wäre Audrey Hepburn 80 Jahre alt geworden.
Samstag, 25. April 2009
Freiheit und Religionsunterricht
Wer sich die Begriffe aneignet, sie mit seinen Inhalten füllt, hat die Macht. In Berlin hat ein rot-roter Senat die Macht. Er hat gerade den Begriff "Freiheit" umdefiniert. Morgen stimmen die Berliner darüber ab, ob die Schüler die Freiheit haben sollen, zwischen Religion und Ethik zu wählen - denn bisher sind sie dazu gezwungen, Ethikunterricht zu besuchen. In einer aus Steuermitteln finanzierten Werbekampagne macht der Berliner Senat Stimmung gegen das Anliegen von Pro Reli, und zwar mit Slogans wie "Nein zum Wahlzwang". Wählen zu dürfen bedeutet also Zwang? Sich von der Obrigkeit die Möglichkeit zur Wahl nehmen zu lassen, bedeutet also Freiheit? Freiheit ist Sklaverei? Ist es Dummheit oder Dreistigkeit, wenn sich Politiker auf so dämliche Weise selbst entlarven? Auf alle Fälle ist die Umdeutung der Begriffe in diesem Fall eine Lüge.
Eine hervorragende Analyse zum Thema "Religionsunterricht in Berlin" liefert Bettina Röhl.
Eine hervorragende Analyse zum Thema "Religionsunterricht in Berlin" liefert Bettina Röhl.
Der Tunnel
Die Erinnerung ist ein großer Gleichmacher. Stimmungen, Eindrücke bleiben haften, und Details, die nicht passen, werden passend gemacht. So geht es mir auch mit meinen Erinnerungen an den Deutschunterricht damals im Gymnasium. Die Grundstimmung, die haften geblieben ist, trifft die Sache gewiß gut: eine einzige Betroffenheitssuppe, in der Günther Wallraff und Dorothée Sölle schwimmen, und die wir essen sollten, um zu besseren Menschen zu werden. Literatur, so mußten wir damals vermuten, hatte den Zweck, das Problembewußtsein zu schärfen und das Weltbild der Schüler mit einfachen Wahrheiten einzuzäunen. So konnte zuletzt sogar der "Faust" heruntergebrochen werden auf Gretchens mißlungene Emanzipation. Den "Faust" freilich liest man erst kurz vor dem Abitur, und da wußte ich schon, daß Goethe nichts dafür konnte. Um andere Autoren mache ich noch immer einen großen Bogen. So bisher auch um Dürrenmatt. Wie allen Autoren, die ich in der Mittelstufe lesen mußte, brachte ich ihm Mißtrauen entgegen. Zu Unrecht, wie ich gestern erkannte. Ich las noch einmal seine Erzählung "Der Tunnel". Ein 24-jähriger Student , "fett, damit das Schreckliche hinter den Kulissen, welches er sah (das war seine Fähigkeit, vielleicht seine einzige) nicht allzu nah an ihn herankomme" , steigt in den Zug nach Zürich. Der Zug gerät in einen nicht endenden Tunnel und rast, immer schneller, in einen Abgrund. Der Lokführer ist, wie der Student feststellen muß, längst abgesprungen, der Führerstand leer.
Die Vielzahl der Deutungen, die diese kurze Erzählung hervorgerufen hat, zeigt, daß sie sich nicht auf einen Begriff bringen läßt, sich nicht von einem Begriff unterwerfen läßt. In den Alltag bricht ein unverständliches Geschehen ein, das Schreckliche, vor dem man sich nicht abschirmen kann; das Unerklärliche, vor dem man sich vergeblich mit Erklärungen zu schützen versucht: "Wir bewegen uns auf Schienen, der Tunnel muß also irgendwohin führen. Nichts beweist, daß am Tunnel etwas nicht in Ordnung ist, außer natürlich, daß er nicht aufhört."
Und so verweist diese kurze Erzählung zugleich auf die Grenzen menschlicher Erkenntnis wie auch auf die Freiheit der Literatur, Dinge zu sagen, die sich nicht ohne weiteres in einfache Welterklärungsmuster oder gar Handlungsanweisungen übersetzen lassen.
Die Vielzahl der Deutungen, die diese kurze Erzählung hervorgerufen hat, zeigt, daß sie sich nicht auf einen Begriff bringen läßt, sich nicht von einem Begriff unterwerfen läßt. In den Alltag bricht ein unverständliches Geschehen ein, das Schreckliche, vor dem man sich nicht abschirmen kann; das Unerklärliche, vor dem man sich vergeblich mit Erklärungen zu schützen versucht: "Wir bewegen uns auf Schienen, der Tunnel muß also irgendwohin führen. Nichts beweist, daß am Tunnel etwas nicht in Ordnung ist, außer natürlich, daß er nicht aufhört."
Und so verweist diese kurze Erzählung zugleich auf die Grenzen menschlicher Erkenntnis wie auch auf die Freiheit der Literatur, Dinge zu sagen, die sich nicht ohne weiteres in einfache Welterklärungsmuster oder gar Handlungsanweisungen übersetzen lassen.
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