Samstag, 5. Juni 2010

Doppelplusungut

Die Schweizer wollen die Wörter "Mutter" und "Vater" verbieten und durch "das Elter" ersetzen. Einfach nur krank, diese orwell'schen linken Hirne. Weiter bei Medrum.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Bischof Luigi Padovese

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz der Türkei, Erzbischof Luigi Padovese, ist heute in seinem Haus in Iskenderun ermordet worden.
R.I.P.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Was im Mittelalter besser war: Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch

Die Medienkampagne gegen die katholische Kirche gipfelte bekanntlich in der ebenso infamen wie ignoranten Behauptung, die katholische Sexualmoral sei schuld an den Missbrauchsfällen. Jüngst hat noch Stefan Orth in der sich katholisch nennenden Herder-Korrespondenz in diese Kerbe gehauen und über eine unmittelbare Beziehung zwischen Zöibatsversprechen und sexuellem Missbrauch Minderjähriger schwadroniert. Aus theologischer Sicht haben Pater Recktenwald und anderen das Nötige dazu gesagt (http://www.kath-info.de/missbrauch.html). Aber auch der historische Befund ist eindeutig: Denn es war gerade die katholische Sexualmoral, die den in der antiken Welt weitverbreiteten sexuellen Missbrauch von Kindern geächtet hat.

Auf den Sklavenmärkten der römischen Welt wurden Knaben und Mädchen ganz offen zur Prostitution angeboten. Besonders gefährdet waren Waisenkinder und Kinder aus ärmlichen Verhältnissen, die mitunter von den eigenen Eltern an Zuhälter verkauft wurden. Gesellschaftlich verpönt war der Missbrauch nur, wenn es sich um Freie handelte. Es war das frühe Christentum, das von Anfang an gegen diese Zustände protestiert und am Ende der Spätantike die ersten Schutzgesetze durchgesetzt hat.

Doch erst im Frühmittelalter etablierte sich eine lückenlose Gesetzgebung zum Schutz der Kinder vor Unzuchtsdelikten. Die historische Forschung hat eindeutig herausgearbeitet, dass hinter der Menge und Vielfalt der uns überlieferten Vorschriften die Prägekraft des kirchlichen Einflusses auf die Gesetzgebung stand: Denn der Schutz der Kinder gehörte zu den dringlichsten Anliegen des Christentums.

Dahinter stand zum einen die christliche Ethik der Nächstenliebe, die der Sorge um die Schwachen einen besonderen Stellenwert einräumte. Das Vorbild war Jesus selbst, der gerade die Kinder gesegnet und den Jüngern ihre Nachahmung empfohlen hatte. Aber auch die christliche Sexualmoral, die den Geschlechtsverkehr allein innerhalb der Ehe zuließ, wirkte sich hier entscheidend aus. Religionshistorisch orientierte Autoren haben die Theorie aufgestellt, dass im Mittelalter die archaische Idee der kultischen Reinheit wieder auflebte, nach der jeder Geschlechtsverkehr eine Befleckung darstellte und von der heiligen Handlung ausschloss. Nun erscheint es mir zwar ziemlich abenteuerlich, das mittelalterliche Ideal der Reinheit mit seiner mystischen Komponente und vor allem dem entscheidenden Motiv der Gottesliebe als ein аollutio-gesteuertes Tabusystem(von lateinisch pollutio = Befleckung) zu erklären. In jedem Fall hat sich aber das Bemühen, den Sexualtrieb zu bändigen und zu steuern (man könte auch sagen: zu humanisieren) für die Kinder nur positiv ausgewirkt. Denn eines stand fortan fest: Wer sexuell mit Kindern verkehrte, versündigte sich auf das Schwerste (Informationen hierzu hat Hubertus Lutterbach zusammengestellt: http://www.uni-due.de/unikate/ressourcen/grafiken/PDF%27s/21/21-lutterb.pdf).

Die Neuzeit hat an diesem Verbot festgehalten und es schließlich mit der UN-Kinderrechtskonvention zu internationalem Recht erhoben. Zugleich hat sie jedoch mit ihrem Kampf um Еmanzipation von der kirchlichen (Sexual-)Moral, ihrer Verherrlichung des Tabubruchs alles getan, um die ethischen Grundlagen des Kinderschutzes infrage zu stellen. Mit Sextourismus, Zwangsprostitution und Pornographie ist denn auch der sexuelle Missbrauch von Kindern auf breiter Front in die modernen Gesellschaften zurückgekehrt.

Freitag, 21. Mai 2010

Mediennutzung

Am Frühstückstisch einer in einem Vorort von London wohnenden achtbaren, obschon reichen Familie ... unterhielt man sich, anstatt wie üblich die neuesten Zeitungsmeldungen zu besprechen, ... über ein Ereignis, das in der unmittelbaren Nachbarschaft vorgefallen war. Man sagt solchen Leuten mitunter nach, sie hätten nichts anderes zu tun als zu klatschen. Aber in diesem Punkt sind sie erstaunlich unschuldig. Auf dem Dorf erzählen sich die Bauern noch wahre oder falsche Geschichten über ihre Nachbarn, aber die merkwürdigen Kulturmenschen der modernen Großstadt, die zwar alles glauben, was in der Zeitung über die Schlechtigkeit des Papstes oder das Martyrium des Königs der Kannibalen-Inseln steht, erfahren in der Aufregung über so viele interessante Neuigkeiten gar nicht, was im Nachbarhause vor sich geht. Die Nachricht aber, die an diesem Tag so viel Aufregung brachte, stammte nicht nur aus der Zeitung, sie betraf sogar die Familie unmittelbar, war doch in ihrem Leib- und Magenblatt der Stadtteil erwähnt worden, in dem sie wohnten. Jetzt erst waren sie etwas, denn der Name ihres Stadtteils hatte in der Zeitung gestanden! Dadurch waren sie genauso gegenständlich und wirklich geworden wie der König der Kannibalen-Inseln.

Das hat Gilbert Keith Chesterton 1927 in der Pater-Brown-Geschichte „Der Mann mit den zwei Bärten“ geschrieben. Bis auf die Tatsache, daß Familien beim Frühstück nicht mehr zusammensitzen, könnte man es heute Wort für Wort wiederholen. Wahrscheinlich trage ich hier Eulen nach Athen, aber ich hab' tatsächlich erst jetzt gemerkt, wieviel theologische Reflexion, wieviele Geistesblitze und ironische Spitzen Chesterton in diesen leichthändig erzählten Geschichten verpackt hat. Aber aufmerksam lesen, sonst verpasst man das Beste! (Das Zitat ist aus: Das schlimmste Verbrechen der Welt. Pater Brown Stories, Diogenes Verlag Zürich 2004, S. 41f.)

Samstag, 15. Mai 2010

Was im Mittelalter besser war: das Wetter

Seit einem Dreivierteljahr läuft die Heizung, die Winterjacke zeigt Abnutzungserscheinungen, der Körper schreit nach immer mehr Kohlehydraten: Es ist kalt in Deutschland. Wird es jemals wieder Sommer?

Dabei gab es mal schöne, glänzende Zeiten, wo Europa nicht nur ein christliches, sondern auch ein warmes Land war. Und zwar zwischen 1000 und 1300. In Island wurde Getreide angebaut, in Preußen Wein, bis in den Kölner Raum wuchsen Feigenbäume. Auf Grönland gab es grüne Wiesen. Die Landwirtschaft gedieh, genug Nahrung wurden erwirtschaftet, die Bevölkerungszahl stieg. Siedlungen und Städte wurden neu gegründet: eine Zeit des Wachstums und Fortschritts.

Die Sommer waren mitunter sogar sehr heiß, im Jahr 1022 sind  "…viel Leut umb Nürnberg auff den Strassen vor grosser Hitz verschmachtet und ersticket, deßgleichen sind auch alla Früchte auff den Feldern, Gärten und Wiesen auch Ackern verdorret und verbrenet, auch sein viel Brunen Flüsse Weyher und Bäche vertrocknet und versieget, wie dann umb Nürnberg alle Bäche und Weyher biß auff fünff vertrocknet und und zwey Brunen vor grosser Hiz versieget, dardurch grosser mangel am Wasser entstanden ist." (Aufzeichnung aus dem Staatsarchiv Nürnberg, zitiert nach: Rüdiger Glaser, Klimageschichte Mitteleuropas, 2001; S. 61)

Doch von der mittelalterlichen Warmzeit wollen einige "Klimaforscher" und Umweltaktivisten heute nichts mehr wissen: Denn sie droht, die hochsubventionierte Theorie von menschengemachten Klimawandel in Frage zu stellen. Auch wenn man das Mittelalter in den schwärzesten Farben malt: einen hohen CO2-Ausstoß kann man dem mittelalterlichen Menschen beim besten Willen nicht anhängen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, verlegt man sich darauf, die mittelalterliche Wärmeperiode zu leugnen (vgl. Malcolm K. Hughes/Henry F. Diaz, Was there a "medieval warm period", and if so, where and when, in: Climatic Change, 26 (1994), S. 109 - 142)

Doch ab ca. 1350 wurde es nachweislich deutlich kälter. Die "kleine Eiszeit" begann, eine krisengeplagte Zeit mit sehr kalten Wintern. Hungersnöte ließen die europäische Bevölkerung schrumpfen, Gletscher drangen in den Alpen auf Ackerland vor, Seuchen traten auf, soziale Spannungen, die frühneuzeitliche Hexenverfolgung und zuletzt der große Zivilisationsbruch der französischen revolution.

Seit etwa 1850 wird es wieder wärmer, und das läßt hoffen. Denn es gibt die Annahme, daß überdurchschnittliche Temperaturen auch zu kulturellem Fortschritt führen. Einiges spricht dafür: Die mittelalterliche Warmzeit war die Blütezeit der höfischen Epik. Wolfram von Eschenbach schrieb seinen "Parzival", Gottfried von Straßburg "Tristan". Das Nibelungenlied entstand. In diese Epoche fallen die Lebensdaten einiger der größten Gelehrten und Dichter: Thomas von Aquin, Dante Alighieri, Albertus Magnus, Meister Eckhart, Bernhard von Clairvaux, Anselm von Canterbury. Die Baukunst entwickelte den Stil der Gotik, die ersten Universitäten wurden gegründet.

Lag's am Wetter? Kausalität oder Koinzidenz? Schwer zu sagen. Und wie sieht es heute aus? Ein Mann, der als einer der größten Gelehrten unserer Zeit in die Geschichte eingehen wird, kommt ausgerechnet aus dem kalten Deutschland. Allerdings lebt er schon lange in wärmeren Gefilden: nämlich in Rom.

Dienstag, 11. Mai 2010

Bloggertreffen

Nun hätte ich beinahe vergessen, etwas über das Bloggertreffen am vergangenen Samstag zu schreiben. Das liegt daran, daß ich ebendort von den Bloggerkollegen überzeugt wurde, endlich Mitglied bei Facebook zu werden. Seit gestern treibe ich mich also dort herum, habe schon Freunde gefunden, bin einer Gruppe beigetreten, suche Leute, die ich von früher kenne, stelle fest, daß ich aus meiner Grundschulklasse mal wieder die Einzige bin, die bei sowas mitmacht, und daß 185 Leute so heißen wie meine Kindergartenfreundin früher. Da ich mich irgendwie verklickt habe, steht in meinem Profil unter Interessen nun: "Kalorien sind kleine Tiere, die nachts die Kleidung enger nähen". Wozu Facebook eigentlich gut ist: Wird sich mir wohl noch erschließen.

Jedenfalls: Das Bloggertreffen war sehr motivierend, wir sprachen über katholische Medienarbeit und überlegten, wie Katholiken ihre Präsenz im Netz verstärken können. Walter Ramm hat uns über die Arbeit der "Aktion Leben" informiert. Sehr herzlich möchte ich dem Gastgeber Pater Recktenwald danken. Und Johannes, mit dem ich gefahren bin. Das nächste Bloggertreffen ist auch schon geplant: Ende August in Fulda.

Montag, 10. Mai 2010

Was im Mittelalter besser war: Wahlen

Die Wahl in NRW bestätigt wieder einmal die Krise der Demokratie. Ihr Symptom: die stetig sinkende Wahlbeteiligung. Ihre Ursache: Man traut den Politikern die Lösung der Probleme nicht mehr zu. Aktuelles Beispiel ist die Rettung des Euro. Jeder vernünftige Mensch weiß, daß die Ursache seiner Schwäche der gigantische Schuldenberg ist, den die westlichen Länder zur Finanzierung ihrer Wohlfahrtsstaaten aufgetürmt haben. Doch das ist tabu. Lieber bläst man zur „Generalmobilmachung“ gegen „angelsächsische Spekulanten“, den bösen Feind, der Europa, diese Insel der Gerechtigkeit, mit finsteren Machenschaften bedroht (früher übernahm diesen Part das internationale Finanzjudentum). Unterdessen fließen weiter Millionen und Milliarden in den Ausbau von Kita-Plätzen, in die zigste Reform des Bildungswesens und andere Projekte, die den Zerfall der europäischen Gesellschaften nicht aufhalten, sondern fördern – ein politisches System demontiert sich selbst. Da mag ein Blick auf frühere Zeiten hilfreich sein. 
Womit wir endlich beim Thema wären: Denn das Mittelalter war eine wahlfreudige Epoche. Die wichtigsten Repräsentanten der Christenheit, Kaiser und Papst, verdankten ihre Ämter einer Wahl. Klöster wählten ihren Abt, Domkapitel ihren Bischof. Und auf bestimmten Ebenen, etwa den freien Reichsstädten, Zünften, Universitäten oder ähnlichen Zusammenschlüssen, gab es schon ein allgemeines Wahlrecht. Der wichtigste Unterschied zwischen mittelalterlichen und modernen Wahlen liegt wohl darin, dass die moderne Wahl ganz vom Gedanken der Mehrheitsentscheidung beherrscht wird. Das wirkt auf den ersten Blick selbstverständlich, ist es aber nicht. Bei mittelalterlichen Wahlen konnte unter Umständen auch die Minderheit Recht haben: Nicht die Mehrheit, sondern der klügere Teil, die „sanior pars“, wie man damals sagte, sollte den Ausschlag geben. Denn es ging darum, den würdigsten Kandidaten für ein Amt herauszufinden: denjenigen, den Gott dazu bestimmt hatte. Das Mittelalter qualifizierte also die Stimmen, oder anders gesagt: Es gab nicht der Quantität den Vorrang, sondern der Qualität. Das provoziert natürlich den modernen Massenmenschen, der am liebsten Seinesgleichen an der Spitze sehen will. André Lichtschlag hat den Zustand, der dadurch entsteht, als Ochlokratie, als Pöbelherrschaft, bezeichnet. Und genau da sind wir mittlerweile angekommen. Narürlich kann man dem Mittelalter keine Patenrezepte entnehmen. Aber zweierlei könnten wir doch lernen: Erstens daß eine Demokratie ohne Aristokratie nicht funktioniert. Und zweitens, daß es auch beim Wählen eine Verantwortung vor Gott gibt.