Posts mit dem Label Islam werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Islam werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 23. März 2012

Die Mönche von Tibhirine


Die sieben Trappisten aus dem Kloster „Notre Dame de l'Atlas“ in Algerien sind heute weltberühmt. Im März 1996 wurden sie – während des algerischen Bürgerkrieges - unter ungeklärten Umständen entführt und zwei Monate später ermordet aufgefunden. Das heißt, aufgefunden wurden nur ihre abgetrennten Köpfe.
Sie hatten sich der Aufforderung islamistischer Terroristen, das Land zu verlassen, nicht gefügt, weil sie bei den Menschen bleiben wollten, mit denen sie bislang gelebt hatten: einfachen muslimischen Dorfbewohnern in der Nachbarschaft ihres Klosters. Bis dahin hatte kaum jemand von den sieben Mönchen Notiz genommen. Heute gelten sie als Vorbilder für den sogenannten „christlich-islamischen Dialog“. Spätestens seit dem französischen Kinofilm „Von Menschen und Göttern“ aus dem Jahr 2010 sind sie international bekannt.
Der Film zeigt zu Beginn eine Szene, in der die Mönche an einem islamischen Fest der Dorfbewohner teilnehmen. Das ist wahrscheinlich nicht erfunden, denn die Mönche wollten tatsächlich am Leben der Muslime teilhaben und auch auf den Islam zugehen. In einer Reihe von Schriften hat ihr Prior, Christian de Chergé, dieses Programm dargestellt, und ein anderer der Mönche, Christoph Lebreton, hat seine Berufung in mehreren poetischen Meditationen reflektiert, die heute nach und nach veröffentlicht werden. Auch diese Texte haben zur Bekanntheit der Mönche beigetragen. Christian de Chergé hat sogar im Ramadan gefastet und wollte islamische Gebetsweisen in das Stundengebet integrieren – was allerdings vom Konvent abgelehnt wurde.
Doch Vorsicht – für die heute, auch in kirchlichen Kreisen, verbreitete Dialogseligkeit, die so gerne das Gemeinsame der abrahamitischen Religionen hervorhebt, kann man die Mönche nicht so ohne weiteres in Anspruch nehmen. Denn ihre Haltung zum Islam steht auf dem Boden eines unzweideutigen Bekenntnisses zu Christus. Als die islamistischen Terroristen zum ersten Mal das Kloster überfielen, trat ihnen der Prior entgegen und erklärte ihnen, dass heute der Heilige Abend sei und die Geburt Christi, des Friedensfürsten, gefeiert werde. Deshalb „gezieme“ sich der Überfall nicht. So unwahrscheinlich es klingt: Der Anführer akzeptierte das und zog sich mit seinen Männern zurück.
Das führt zu einem zweiten Punkt – der Bereitschaft, notfalls das eigene Leben hinzugeben. Die Mönche waren sich völlig im klaren darüber, was ihr Bleiben bedeutete, und hatten das in einem inneren Klärungsprozeß akzeptiert. Das ist für mich das wirklich Bewundernswerte an Tibhirine. Es gibt beeindruckende Zeugnisse darüber, so z. B ein Text von Christoph Lebreton: „Wie die Flamme“: „Wie die Flamme so nackt / ihre Nacht / TRAGE / dein Kreuz - / im Schweigen / GIB / dein Blut - / LIEBE bis an den äußersten Rand des / FEUERS.“
Wer von denen, die sich heute in Dialogrunden tummeln, könnte das ehrlicherweise von und für sich sagen? Doch ohne diesen Mut ist die Gefahr der Unterwürfigkeit gegenüber einem gewaltbereiten Gegner riesengroß.
Und das führt mich zu einem letzten Punkt: Die sieben Mönche waren Franzosen. Sie entschieden sich dazu, in Algerien zu bleiben, weil das ihrer perönlichen Berufung entsprach, einer Berufung, die oft mit persönlichen Erfahrungen während des Algerienkrieges der 50er/60er Jahre zu tun hatte. Sie akzeptieren ihre Wehrlosigkeit als Bedingung für ein Opfer der Liebe. In heutigen Dialogrunden geht es um etwas anderes. Es geht um die Zukunft unseres eigenen Landes und Volkes. Kann man darüber auf der Basis der Wehrlosigkeit und Feindesliebe verhandeln?

Nachtrag: Es gibt mittlerweile auch in Deutsch einige Bücher über Tibhirine. Das neueste ist: Iso Baumer: Die Mönche von Tibhirine, Verlag Neue Stadt, 2. Auflage, 2011. Es enthält auch einige Texte der Trappisten. Trotzdem kann ich es nur bedingt empfehlen. Denn es bringt auch sehr viel „Drumherum“, natürlich zum Thema Dialog, Algerien usw., das man anderswo bessser dargestellt findet. Weniger davon und mehr über die Mönche hätte mir besser gefallen.

Autor: Jacopone

Freitag, 22. April 2011

Salafisten in Frankfurt

Vorgestern saß ich abends mit einer Freundin im Café, in der Nähe der Hauptwache. Es wurde laut. Von Ferne hörten wir Geräusche wie aus einem Fußballstadion, Schreie, Schlachtengesänge. Je länger wir lauschten, desto deutlicher konnten wir einen Ruf heraushören: allahu akbar. Ich hatte gedacht, daß die geplante Kundgebung mit Pierre Vogel, einem Ex-Boxer und Islam-Konvertiten, von der Stadt verboten worden war. Pierre Vogel gehört zu den Salafisten, einer extremistischen und gefährlichen Ausprägung des Islam. Später erfuhr ich, daß das hessische Verwaltungsgericht das Verbot gekippt hatte. Der fanatische Prediger und seine Anhängerschaft durften sich auf dem Roßmarkt versammeln.

Nach dem Essen wollten wir schauen, was in Frankfurt los war. Überall in den Straßen waren Polizeiautos. Als wir am Roßmarkt ankamen, hatte sich die Versammlung schon weitgehend aufgelöst. Dennoch bot sich auf dem Platz ein Bild, das mit der Modernität der hessischen Bankenstadt merkwürdig kontrastierte: Gruppen von Frauen im Tschador, die uns böse Blicke zuwarfen, bärtige Männer in weißen Gewändern. Es lag Aggressivität in der Luft. Die Menschen, die Frauen in Schwarz wirkten uniformiert, und mir kam der Gedanke, daß der Islam die Religion der Massengesellschaft ist. So wie das Christentum die Religion des bürgerlichen Individuums war, das mehr und mehr durch den Massenmenschen verdrängt wird. Dem Massenmenschen, gesteuert durch die Massenmedien und die Konsumbedürfnisse, die ihm immer wieder neu eingeflüstert werden, sind individualisierende Glaubenspraktiken wie das persönliche Gebet zu einem ihn liebenden Gott fremd. Auch der Islam kennt Derartiges nicht, er kennt nur eine ferne, unnahbare, unberechenbare Gottheit, dem sich alle zu unterwerfen haben, ohne Unterschied. Dieses in den schwarzen Tschador gehüllte Kollektiv ist die religiöse Gestalt der Massengesellschaft.

So gehört die Gefolgschaft des Ex-Boxers natürlich nicht dem untergehenden Bildungsbürgertum an. Später sagte ein Mann in einem Fernseh-Interview, unter den Zuhörern seien Hunderte Kriminelle gewesen, die durch den Islam zu anständigen Menschen geworden seien. Eine ältere Frau, die mit einem Schild allein in einer Ecke stand, noch lange nachdem sich die Gegendemonstration aufgelöst hatte, wurde von mehreren muslimischen Männern aggressiv angegangen. "Menschenrechte statt Scharia" stand auf ihrem Schild, eine Provokation für die Moslems. Die Frau bewies einen Mut, für den ich sie bewunderte. Ebenso ein junger Mann, ein Kroate?, der mit einem Rosenkranz in der Hand mitten auf dem Platz stand. Als ein bärtiger Mann ihm einen Flyer geben wollte, hielt er ihm den Rosenkranz entgegen, deutete auf den Flyer und sagte, sehr ruhig und gelassen: "Das brauche ich nicht."

Und mit diesem Satz machte er deutlich, woran es uns mangelt und was uns helfen könnte, die Ausbreitung des Islam in Deutschland zu verhindern: Mut und Überzeugung. Der Islam hätte keine Chance, wenn es mehr überzeugte Christen gäbe. Christen, die ihren Glauben nicht relativieren, sondern ihn weitergeben wollen. In dem Wissen, daß der Herr jeden retten will. Manchmal denke ich: Die Muslime wurden hierher geschickt, damit sie das Christentum kennenlernen können. Wir versagen und nehmen ihnen die Chance, Christus, der für uns heute am Karfreitag sein Blut vergossen hat, als ihren Erlöser anzunehmen.

Und die deutsche Gesellschaft glaubt immer noch, sie könnte den Islam mit den Verlockungen des Säkularismus neutralisieren. Doch wer gibt schon eine Religion für das Nichts auf?

Dienstag, 8. Juni 2010

Joachim Schroedel über Christentum und Islam

Also, den von Sophie erwähnten Vortrag hat Monsignore Joachim Schroedel gehalten, der im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz die Seelsorge für die deutschen Katholiken im Nahen Osten organisiert. Einige von Euch werden ihn vielleicht schon mal erlebt haben. Erleben ist auch kein schlechter Ausdruck, denn er ist wirklich ein hervorragender Redner, witzig, eloquent, und er spricht völlig frei. Sowas „erlebt“ man ja in der deutschen Kirche nicht alle Tage ... Da er in Kairo residiert, kann er natürlich viel zum Thema Verhältnis zwischen Christentum und Islam beitragen. Und da er sich nicht an die politkorrekten Floskeln und Denkverbote hält, ist das, was er sagt, auch interessant.
Als er nach Kairo ging, war er ein Verfechter dessen, was man hierzulande üblicherweise unter christlich-islamischem Dialog versteht: Wir glauben alle an denselben Gott und Abraham ist unser gemeinsamer Vater im Glauben. Aber bald merkte er, daß er damit bei den Muslimen wenig Eindruck machte – spätestens, als die ihn fragten, warum er eigentlich nicht zum Islam konvertieren wolle. Heute weiß er, daß die Muslime von uns Christen vor allem eines erwarten: daß wir über unseren Glauben Auskunft geben können. Und genau das ist der springende Punkt, denn daran hapert es bei den meisten deutschen Katholiken. Das Problem ist seiner Meinung nach also nicht, daß wir im Westen den Muslimen zuwenig entgegen kommen. Sondern daß wir unseren eigenen Glauben aufgegeben haben. Was Muslime vom Westen wahrnehmen, ist, durch die Medien vermittelt, Sittenlosigkeit, Konsumorientierung, Hedonismus. Der Papst dagegen ist in der islamischen Welt hochangesehen, trotz des Wirbels um die Regensburger Rede (Ein eigenes Thema ist natürlich die Unterdrückung der Glaubensfreiheit in vielen islamischen Ländern, aber darauf hat Schroedel nicht den Schwerpunkt gelegt). Interessant auch sein Hinweis, daß das Schweizer Minarettverbot in der islamischen Welt kaum Proteste ausgelöst habe (jedenfalls nicht in Kairo). Es ist nämlich gar nicht so, daß ein Minarett unabdingbar zu einer Moschee gehöre, wie die Multikulti-Propaganda uns einzureden versucht.
Aus all dem ergibt sich für mich, daß die herrschende Integrationsideologie an den eigentlichen Problemen völlig vorbeigeht, wenn sie Integration mit der Zurückdrängung unserer eigenen Kultur verwechselt („keine Kreuze in den Klassenzimmern“). Und außerdem bekommt für mich ein Gedanke, den ich schonmal anderswo gehört habe, neue Plausibiltät: Daß Gott uns die Muslime geschickt hat, damit sie uns, wenn auch unsanft, auf etwas stoßen, das wir im Begriff sind zu verlieren: unseren eigenen christlichen Glauben. So gesehen ist das fehlende Kreuz in einem katholischen Bildungszentrum (das Haus am Dom in Mainz) dann auch wirklich ein Warnzeichen.