Die Medienkampagne, die in den letzten drei Wochen gegen die katholische Kirche geführt wurde, hat mich verletzt. Was mich immer wieder aufgerichtet hat, waren Reaktionen aus meinem Bekanntenkreis, die ich nicht erwartet hätte, z.B. solche:
- ein Alt-68er, der sich nie durch kirchenfreundliche Verlautbarungen hervorgetan hat und nun dennoch den Begriff der Christenverfolgung ins Spiel bringt (- ich selbst wäre nicht so weit gegangen. Aber hat er nicht dennoch recht?)
- nicht ganz so unerwartet: ein konservativer Lutheraner, der gerne eine Solidaritätsaktion für den Papst ins Leben rufen würde
- außerdem ein zufällig belauschtes Gespräch in der S-Bahn: zwei, die selbst "mit der Kirche nichts am Hut haben", kommen zu dem Ergebnis, daß diese Hetze widerlich ist
Nur drei kleine Beispiele, die zeigen, daß öffentliche und veröffentlichte Meinung durchaus nicht deckungsgleich sein müssen... Hier noch ein Link: Manfred Lütz über Ettal.
Dienstag, 16. März 2010
Sonntag, 14. März 2010
Wieder zurück
Egal, wohin ich in letzter Zeit gereist bin: Bei meiner Rückkehr nach Deutschland war ich jedes Mal einem Kälteschock ausgesetzt. Und ich meine damit nicht das Wetter. Vor ein paar Tagen bin ich aus Mexiko zurückgekehrt. Dort sind die Menschen freundlich, hilfsbereit und kinderlieb, die Kirchen sind voll mit jungen Familien und Kindern.
Kaum zurück, springen mich Schlagzeilen an, die so boshaft wie absurd sind und in ihrer absurden Boshaftigkeit zuweilen sogar lächerlich: „Papst soll zur Odenwaldschule Stellung beziehen“, „Papstbruder schlug bis 1970 Kinder“, „Wir-sind-Kirche setzt Papst unter Druck“. Der Mißbrauch des Mißbrauchs geht also weiter. Es geht dabei nicht um die Opfer, um Fakten, um die notwendige Aufarbeitung des Geschehenen. Wer Kinder mißbraucht, ob Priester oder nicht, gehört ins Gefängnis. Doch die Zahlen zeigen, wie an verschiedener Stelle zu lesen war, daß sexueller Mißbrauch bei Priestern seltener vorkommt als bei anderen erwachsenen Männern. Schließlich steht eine solche böse Tat in radikalem Gegensatz zu allem, was die Kirche lehrt. Wenn es dennoch einzelne Priester gibt, die Kinder mißbrauchen, haben sich diese von allem, was sie vertreten sollen, entfernt.
Doch darum geht es bei der laufenden Medienkampagne gar nicht. Sondern um das Thema Sex, Skandal und Kirche, das immer zieht und in das sich so gut der antirömische Affekt hineinmischen läßt, der hierzulande seit Jahrhunderten konserviert wird. So mancher wittert auch die Möglichkeit, den Papst mit in den Skandal hineinzuziehen (besonders unrühmlich: die Süddeutsche). Vor allem aber nutzt man die Gelegenheit, mal wieder gegen den Zölibat und die katholische Sexualmoral anzuschreiben: Denn einen solchen Gegenentwurf zu ihrem eigenen säkularen Hedonismus kann unsere Gesellschaft nicht dulden. Sie kann es nicht hinnehmen, daß es Männer und Frauen gibt, die von Christus so erfüllt sind, daß sie sogar auf das größte Glücksversprechen der modernen Gesellschaft – nämlich Sex – zu verzichten bereit sind. Und die durch ihr Leben und ihr Zeugnis all das in Frage stellen, was von den heutigen Spießbürgern als heilig angesehen wird. Der letzte verbliebene Gegner, die Minderheit, die sich nicht anpaßt, soll mit allen Mitteln bezwungen werden – die Wiederholung der immergleichen Dummheiten gehört dazu. Besonders skandalös ist es aber, daß die himmelschreiende Geistlosigkeit dessen, was heute so selbstverständlich auch in einstmals großen Zeitungen geschrieben werden darf, nicht als unanständig empfunden wird. Wo bleibt der Protest gegen Dummheit?
Wie dem auch sei: Ich war nur gut zwei Wochen weg und erschrecke bei meiner Rückkehr wieder über den aggressiven Säkularismus, der in Deutschland herrscht. Was für ein großartiges Zeichen ist es doch, daß der Heilige Vater ausgerechnet ein Deutscher ist! Deutschland braucht zweifellos eine Neuevangelisierung. Die Frage, die ich mir stelle, ist: Will ich daran mitwirken? Viel lieber würde ich dieses Land verlassen und irgendwo hinziehen, wo es nicht so kalt ist. Will Gott, daß ich in diesem Land, meinem Land als Katholikin lebe und wirke? Aber ist Deutschland mein Land, ist das meine Heimat? Mein Gefühl sagt: von Tag zu Tag weniger.
Kaum zurück, springen mich Schlagzeilen an, die so boshaft wie absurd sind und in ihrer absurden Boshaftigkeit zuweilen sogar lächerlich: „Papst soll zur Odenwaldschule Stellung beziehen“, „Papstbruder schlug bis 1970 Kinder“, „Wir-sind-Kirche setzt Papst unter Druck“. Der Mißbrauch des Mißbrauchs geht also weiter. Es geht dabei nicht um die Opfer, um Fakten, um die notwendige Aufarbeitung des Geschehenen. Wer Kinder mißbraucht, ob Priester oder nicht, gehört ins Gefängnis. Doch die Zahlen zeigen, wie an verschiedener Stelle zu lesen war, daß sexueller Mißbrauch bei Priestern seltener vorkommt als bei anderen erwachsenen Männern. Schließlich steht eine solche böse Tat in radikalem Gegensatz zu allem, was die Kirche lehrt. Wenn es dennoch einzelne Priester gibt, die Kinder mißbrauchen, haben sich diese von allem, was sie vertreten sollen, entfernt.
Doch darum geht es bei der laufenden Medienkampagne gar nicht. Sondern um das Thema Sex, Skandal und Kirche, das immer zieht und in das sich so gut der antirömische Affekt hineinmischen läßt, der hierzulande seit Jahrhunderten konserviert wird. So mancher wittert auch die Möglichkeit, den Papst mit in den Skandal hineinzuziehen (besonders unrühmlich: die Süddeutsche). Vor allem aber nutzt man die Gelegenheit, mal wieder gegen den Zölibat und die katholische Sexualmoral anzuschreiben: Denn einen solchen Gegenentwurf zu ihrem eigenen säkularen Hedonismus kann unsere Gesellschaft nicht dulden. Sie kann es nicht hinnehmen, daß es Männer und Frauen gibt, die von Christus so erfüllt sind, daß sie sogar auf das größte Glücksversprechen der modernen Gesellschaft – nämlich Sex – zu verzichten bereit sind. Und die durch ihr Leben und ihr Zeugnis all das in Frage stellen, was von den heutigen Spießbürgern als heilig angesehen wird. Der letzte verbliebene Gegner, die Minderheit, die sich nicht anpaßt, soll mit allen Mitteln bezwungen werden – die Wiederholung der immergleichen Dummheiten gehört dazu. Besonders skandalös ist es aber, daß die himmelschreiende Geistlosigkeit dessen, was heute so selbstverständlich auch in einstmals großen Zeitungen geschrieben werden darf, nicht als unanständig empfunden wird. Wo bleibt der Protest gegen Dummheit?
Wie dem auch sei: Ich war nur gut zwei Wochen weg und erschrecke bei meiner Rückkehr wieder über den aggressiven Säkularismus, der in Deutschland herrscht. Was für ein großartiges Zeichen ist es doch, daß der Heilige Vater ausgerechnet ein Deutscher ist! Deutschland braucht zweifellos eine Neuevangelisierung. Die Frage, die ich mir stelle, ist: Will ich daran mitwirken? Viel lieber würde ich dieses Land verlassen und irgendwo hinziehen, wo es nicht so kalt ist. Will Gott, daß ich in diesem Land, meinem Land als Katholikin lebe und wirke? Aber ist Deutschland mein Land, ist das meine Heimat? Mein Gefühl sagt: von Tag zu Tag weniger.
Sonntag, 14. Februar 2010
Glaubenszweifel
Als ich vor ein paar Tagen in einem Eintrag über meine Glaubenszweifel sprach, bekam ich daraufhin viele private Mails, die mich sehr berührt haben. Ich sehe, daß ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin, daß ein Unbehagen am Zustand der deutschen katholischen Kirche weit verbreitet ist, im progressiven wie im konservativen Lager, und daß es viele gibt, die gerne irgendwo einen Platz finden würden, ein Zuhause, Gemeinschaft mit anderen Katholiken, und traurig darüber sind, daß das hier oft so schwer ist. An den Reaktionen sehe ich aber auch: Es gibt viele, die auch dann durchhalten, wenn sie sich einsam fühlen. Das stimmt mich optimistisch.
Ich frage mich, ob das Unbehagen an der Kirche in Deutschland nicht auch der Grund für die Festungsmentalität ist, die sich in den verschiedenen Lagern oft ausbildet. Man spürt, daß etwas nicht in Ordnung ist und hat zugleich den Wunsch, den eigenen Glauben zu schützen, vor Zweifeln wie vor Anfechtungen. Da ist es vielleicht am einfachsten, sich in die kuschelige Enge eines Milieus zurückzuziehen. Doch ein Gefühl der Gefährdung bleibt, und die Schuld daran gibt man leicht den Anderen, die den Glauben auf eine andere Art leben als man selbst. Und wenn man nicht aufpaßt, prügelt man irgendwann schon auf den Nächsten ein, weil er andere Lieder schön findet als man selbst.
Doch wir sollten besser über jeden froh sein, der unter den schwierigen Bedingungen hier zu Christus findet. Und dabei nicht vergessen, daß es die Weite ist, die die weltweite katholische Kirche prägt - eine Weite, die nichts mit Relativismus zu tun hat, sondern mit Liebe zum Nächsten und der Größe des Herzens.
Ich frage mich, ob das Unbehagen an der Kirche in Deutschland nicht auch der Grund für die Festungsmentalität ist, die sich in den verschiedenen Lagern oft ausbildet. Man spürt, daß etwas nicht in Ordnung ist und hat zugleich den Wunsch, den eigenen Glauben zu schützen, vor Zweifeln wie vor Anfechtungen. Da ist es vielleicht am einfachsten, sich in die kuschelige Enge eines Milieus zurückzuziehen. Doch ein Gefühl der Gefährdung bleibt, und die Schuld daran gibt man leicht den Anderen, die den Glauben auf eine andere Art leben als man selbst. Und wenn man nicht aufpaßt, prügelt man irgendwann schon auf den Nächsten ein, weil er andere Lieder schön findet als man selbst.
Doch wir sollten besser über jeden froh sein, der unter den schwierigen Bedingungen hier zu Christus findet. Und dabei nicht vergessen, daß es die Weite ist, die die weltweite katholische Kirche prägt - eine Weite, die nichts mit Relativismus zu tun hat, sondern mit Liebe zum Nächsten und der Größe des Herzens.
Donnerstag, 11. Februar 2010
Nun doch noch zu den Mißbrauchsfällen
Die Mißbrauchsfälle, die zwangsläufig daraus folgende Medienkampagne gegen die Kirche, die sinnbildlich zum Ausdruck kommt auf dem Titelblatt des "Spiegel" (des selbsternannten Sturmgeschützes der Demokratie, das einer der Kommentatoren von Lichtschlags hervorragendem Artikel sehr treffend als "Zeitgeist-Dreckschleuder" bezeichnet), die Fehlinterpretation eindeutiger Statistiken, Opi Geißlers Einlassungen und letztlich die Verweigerung der Medien und vieler anderer, den tatsächlichen Ursachen dieser widerwärtigen Verfehlungen einiger Priester nachzugehen, weil man unbedingt den Zölibat als Hauptschuldigen ausmachen will: Das alles hat bei mir zunächst ein Gefühl des Überdrusses hervorgerufen. Diese alle paar Monate aufbrandenden Kampagnen - wir kommen wohl nicht um sie herum, solange die Kirche wie ein Fels in der Brandung des Zeitgeists steht und unser Heiliger Vater trotz oder gerade wegen seiner sanften, leisen, klug abwägenden Art der größte Gegner der neuen Zivilreligion ist.
Dennoch: Das Ganze hat mir wieder gezeigt, wo ich stehe. Denn ich hatte in letzter Zeit oft mit Glaubenszweifeln zu kämpfen. Aber ist Zweifel überhaupt das richtige Wort? Ich habe über eine intellektuelle Auseinandersetzung zum Glauben gefunden. Doch so sehr ich auch intellektuell überzeugt bin, so schwer fällt es mir, gerade hier in Deutschland emotional dabei zu bleiben. Ich beobachte wie die Kirche in verschiedene Lager zerfällt, die einander bekämpfen. Und wie sehr das in das Leben jeder Gemeinde hineinwirkt. Vor einiger Zeit erzählte mir ein Meßdiener einer liberalen Gemeinde voller Schadenfreude, wie ein Priester einmal einer älteren Dame die Mundkommunion verweigerte. Empörend genug. Dann lerne ich zufällig jene ältere Dame kennen, sie erzählt mir diese Geschichte ebenfalls. Und einige weitere. Sie verfolgt jenen Priester, der ihr Unrecht getan hat, seitdem voller Haß. Und diese Episode scheint mir charakteristisch zu sein für den Zustand vieler Teile der Kirche in Deutschland. Da frage ich mich: Muß das wirklich sein? Aber auch: Wie kann ich da Heimat finden? Will ich das überhaupt?
Ich lerne in der Kirche viele Menschen kennen, die sich an ihrem antirömischen Affekt abarbeiten. Ich lerne aber auch "Konservative" kennen, die sich verbissen und voller Haß auf die Welt in ihr Milieu zurückziehen, die den Eindruck erwecken, als würden sie nicht an Gott glauben, sondern an den Glauben glauben, die überall den Teufel vermuten, nur nicht in ihren eigenen Angelegenheiten, und denen keine Verschwörungstheorie dumm genug ist (z.B. die "Gänswein-ist-ein -Freimaurer-Theorie"). Und ich lerne, leider, viel zu wenige fröhliche und gelassene Katholiken kennen: Denn fröhlich und gelassen sollte man sein, wenn man seinen Glauben richtig verstanden hat. Fröhlich und gelassen, nicht verkrampft, bedrückt und voller Haß.
Natürlich darf man nicht von Einzelbeobachtungen auf das Ganze schließen, von persönlichen Erfahrungen auf die Richtigkeit der Lehre. Und dennoch kann man seine Gefühle nicht ausschalten. Ich fühle mich oft heimatlos. Ich helfe mir damit, daß ich die vielen guten Erfahrungen mit Katholiken, die es natürlich auch gibt, aufschreibe - gerade wenn die negativen überwiegen. Aber manchmal frage ich mich: Muß ich auswandern, um katholisch bleiben zu können, um mit dem Herzen und nicht nur dem Verstand dabei bleiben zu können?
Und dann kommen eben diese ekelhaften Mißbrauchsfälle und die Medienkampagne, die mir zwei Dinge zeigen:
1. daß es wirklich schwer ist, in Deutschland katholisch zu sein und gelassen und fröhlich zu bleiben. Da werden gewisse Rückzugstendenzen für mich gleich wieder verständlicher.
2. noch viel wichtiger: Ich sehe wieder, wie sehr gelogen wird, wenn es um die Kirche geht. Daß Fakten bewußt verdreht werden, um der Kirche zu schaden. Wie kaltblütig die Opfer des Mißbrauchs instrumentalisiert werden für den Kampf gegen den Zölibat. Ich vergleiche den Artikel im "Spiegel" mit Lichtschlags Artikel. Ich denke wieder daran, wie sehr der Papst Fels in der Brandung des Zeitgeists ist.
Und dann weiß ich wieder, wo ich stehe und wo ich stehen will, selbst wenn ich Zweifel habe. Dann weiß ich auch wieder, daß ich um meinen Glauben kämpfen will, selbst wenn ich irgendwann denken sollte, daß ich ihn verloren habe. Einfach deshalb, weil schlechte Gefühle und Erfahrungen nicht das Wesentliche sind. Ihr Zweck ist allein, mich zum Durchhalten aufzufordern.
Dennoch: Das Ganze hat mir wieder gezeigt, wo ich stehe. Denn ich hatte in letzter Zeit oft mit Glaubenszweifeln zu kämpfen. Aber ist Zweifel überhaupt das richtige Wort? Ich habe über eine intellektuelle Auseinandersetzung zum Glauben gefunden. Doch so sehr ich auch intellektuell überzeugt bin, so schwer fällt es mir, gerade hier in Deutschland emotional dabei zu bleiben. Ich beobachte wie die Kirche in verschiedene Lager zerfällt, die einander bekämpfen. Und wie sehr das in das Leben jeder Gemeinde hineinwirkt. Vor einiger Zeit erzählte mir ein Meßdiener einer liberalen Gemeinde voller Schadenfreude, wie ein Priester einmal einer älteren Dame die Mundkommunion verweigerte. Empörend genug. Dann lerne ich zufällig jene ältere Dame kennen, sie erzählt mir diese Geschichte ebenfalls. Und einige weitere. Sie verfolgt jenen Priester, der ihr Unrecht getan hat, seitdem voller Haß. Und diese Episode scheint mir charakteristisch zu sein für den Zustand vieler Teile der Kirche in Deutschland. Da frage ich mich: Muß das wirklich sein? Aber auch: Wie kann ich da Heimat finden? Will ich das überhaupt?
Ich lerne in der Kirche viele Menschen kennen, die sich an ihrem antirömischen Affekt abarbeiten. Ich lerne aber auch "Konservative" kennen, die sich verbissen und voller Haß auf die Welt in ihr Milieu zurückziehen, die den Eindruck erwecken, als würden sie nicht an Gott glauben, sondern an den Glauben glauben, die überall den Teufel vermuten, nur nicht in ihren eigenen Angelegenheiten, und denen keine Verschwörungstheorie dumm genug ist (z.B. die "Gänswein-ist-ein -Freimaurer-Theorie"). Und ich lerne, leider, viel zu wenige fröhliche und gelassene Katholiken kennen: Denn fröhlich und gelassen sollte man sein, wenn man seinen Glauben richtig verstanden hat. Fröhlich und gelassen, nicht verkrampft, bedrückt und voller Haß.
Natürlich darf man nicht von Einzelbeobachtungen auf das Ganze schließen, von persönlichen Erfahrungen auf die Richtigkeit der Lehre. Und dennoch kann man seine Gefühle nicht ausschalten. Ich fühle mich oft heimatlos. Ich helfe mir damit, daß ich die vielen guten Erfahrungen mit Katholiken, die es natürlich auch gibt, aufschreibe - gerade wenn die negativen überwiegen. Aber manchmal frage ich mich: Muß ich auswandern, um katholisch bleiben zu können, um mit dem Herzen und nicht nur dem Verstand dabei bleiben zu können?
Und dann kommen eben diese ekelhaften Mißbrauchsfälle und die Medienkampagne, die mir zwei Dinge zeigen:
1. daß es wirklich schwer ist, in Deutschland katholisch zu sein und gelassen und fröhlich zu bleiben. Da werden gewisse Rückzugstendenzen für mich gleich wieder verständlicher.
2. noch viel wichtiger: Ich sehe wieder, wie sehr gelogen wird, wenn es um die Kirche geht. Daß Fakten bewußt verdreht werden, um der Kirche zu schaden. Wie kaltblütig die Opfer des Mißbrauchs instrumentalisiert werden für den Kampf gegen den Zölibat. Ich vergleiche den Artikel im "Spiegel" mit Lichtschlags Artikel. Ich denke wieder daran, wie sehr der Papst Fels in der Brandung des Zeitgeists ist.
Und dann weiß ich wieder, wo ich stehe und wo ich stehen will, selbst wenn ich Zweifel habe. Dann weiß ich auch wieder, daß ich um meinen Glauben kämpfen will, selbst wenn ich irgendwann denken sollte, daß ich ihn verloren habe. Einfach deshalb, weil schlechte Gefühle und Erfahrungen nicht das Wesentliche sind. Ihr Zweck ist allein, mich zum Durchhalten aufzufordern.
Mittwoch, 10. Februar 2010
Deutschunterricht II
Erst nachdem ich es hundert Mal erklärt hatte, ist mir aufgefallen, wie merkwürdig das doch ist: Daß im Deutschen nicht nur, wie in vielen Sprachen, Namen, sondern alle Substantive großgeschrieben werden. Man schreibt groß, um etwas zu betonen oder Respekt zu bezeugen, erinnert sei an die barocke Schreibweise: GOtt. Der Wechsel zwischen Groß- und Kleinschreibung dient außerdem der Lesbarkeit eines Textes. Dennoch: Warum schreiben wir Substantive groß und nicht z.B. Verben? Wollen wir den Dingen und den Ideen einen besonderen Respekt zollen? Glauben wir an ihre Belebtheit? Fragen über Fragen.
Deutschunterricht
Das Spannende am Deutschunterricht: Ich lerne den Blick von außen kennen, den Blick von Fremden auf Deutschland. Eine Frage wurde mir schon öfter gestellt, und zwar: "Warum sind die Deutschen alle schwarz angezogen?" Es war mir vorher nicht aufgefallen, aber es stimmt. Auch ich bin oft schwarz angezogen. Da ich die Antwort nicht weiß, gebe ich die Frage meistens zurück und habe mittlerweile viele Erklärungen gesammelt, hier eine kleine Auswahl:
Thailänderin: "Weil es in Deutschland so dunkel und kalt ist."
Mexikanerin: "Die Deutschen sind alle traurig."
Spanier: "Die Deutschen sind Puritaner und wollen zeigen, daß sie Buße tun."
Italiener: "Die Deutschen schämen sich wegen Hitler."
Mir scheint, ganz falsch ist das alles nicht.
Thailänderin: "Weil es in Deutschland so dunkel und kalt ist."
Mexikanerin: "Die Deutschen sind alle traurig."
Spanier: "Die Deutschen sind Puritaner und wollen zeigen, daß sie Buße tun."
Italiener: "Die Deutschen schämen sich wegen Hitler."
Mir scheint, ganz falsch ist das alles nicht.
Ich bin nicht weg
... auch wenn die Stille auf meinem Blog es vielleicht vermuten läßt. Seit Anfang des Jahres bin ich so beschäftigt, daß ich kaum mehr Zeit für mich habe. Strategisch war es eine gute Entscheidung, nicht mehr für mies zahlende Printmedien zu schreiben. Nun bin ich mit besser bezahlten Aufträgen gut ausgelastet, gebe sehr viel Deutsch-Unterricht, und wenn ich dann mal eine freie Stunde hatte, gab es wichtigere Dinge als das Netz: Freunde anrufen oder treffen, lesen, Sport oder einfach nur in irgendeiner Ecke sitzen und nachdenken. Die virtuelle Welt wurde durch diesen Zeitmangel schnell auf die hinteren Ränge verwiesen, und damit leider auch mein Blog. Ich frage mich, wie es andere Blogger schaffen, tatsächlich kontinuierlich zu schreiben. Ich habe nach einem 12-Stunden-Arbeitstag einfach keine Kraft mehr dazu.
Im Moment rächt sich allerdings, daß ich mich in letzter Zeit überfordert habe: Seit gestern liege ich mit Grippe und Fieber im Bett. Und das ist die beste Gelegenheit, doch mal wieder zu schauen, was hier so alles läuft. Opachen Geißler ist also mal wieder aus der Versenkung aufgetaucht, um den jungen Leuten seine Geschichten von Anno dunnemals zu erzählen. Und der Spiegel? Verdient das Titelblatt eine Anzeige wegen Volksverhetzung oder wegen seiner himmelschreienden Abgeschmacktheit bloß den Bad Taste Award? Also alles wie gehabt...
Im Moment rächt sich allerdings, daß ich mich in letzter Zeit überfordert habe: Seit gestern liege ich mit Grippe und Fieber im Bett. Und das ist die beste Gelegenheit, doch mal wieder zu schauen, was hier so alles läuft. Opachen Geißler ist also mal wieder aus der Versenkung aufgetaucht, um den jungen Leuten seine Geschichten von Anno dunnemals zu erzählen. Und der Spiegel? Verdient das Titelblatt eine Anzeige wegen Volksverhetzung oder wegen seiner himmelschreienden Abgeschmacktheit bloß den Bad Taste Award? Also alles wie gehabt...
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